Modul 1 DigiMan: Geschäftsprozesse und Organisation
Modul 1 der Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager umfasst 32 Unterrichtseinheiten (UE), verteilt auf vier Tage. Es ist der Einstieg ins 720-UE-Curriculum und vermittelt drei Dinge: ein klares Prozessverständnis, einen Überblick über Organisationsformen und die erste eigene Automatisierung in n8n. Wer Modul 1 sauber mitmacht, hat am Ende der ersten Woche begriffen, was Digitalisierung im Arbeitsalltag konkret bedeutet.
Dieses Modul ist bewusst niedrigschwellig angelegt. In meinen Kursen sehe ich immer wieder, dass gerade Quereinsteiger aus Buchhaltung, Vertrieb oder Verwaltung hier zum ersten Mal hören, warum ihr Unternehmen an manchen Stellen so zäh arbeitet, wie es eben arbeitet. Das ist kein Zufall, das hat Struktur.
Aufbau des Moduls
Modul 1 läuft über vier Unterrichtstage. Jeder Tag hat vier Blöcke à 90 Minuten, die Inhalte bauen didaktisch aufeinander auf. Am Ende von Tag 4 präsentierst du in Kleingruppen eine Fallanalyse.
| Tag | Schwerpunkt | Kernthema |
|---|---|---|
| 1 | Ankommen und erste digitale Erfahrung | Drei Stufen der Digitalisierung, erste n8n-Übung |
| 2 | Organisationsformen | Funktional, prozessorientiert, agil im Vergleich |
| 3 | Reifegrad und KMU-Digitalisierung | Reifegradmodelle, Standortbestimmung |
| 4 | Praxis und Modulabschluss | Fallanalyse, Präsentation, Ausblick |
Direkt an Tag 1 baust du deinen ersten n8n-Workflow. Das ist Absicht. Du sollst einmal erlebt haben, dass Automatisierung kein Hexenwerk ist, bevor die theoretischen Grundlagen dazukommen. Das Trigger-Aktion-Ergebnis-Prinzip verstehst du am eigenen Bildschirm, nicht aus einem Lehrbuch.
Inhalte zu digitalen Geschäftsprozessen
Du lernst den Unterschied zwischen drei Stufen: Digitalisierung als Überführung analoger Informationen in digitale Form, Digitalisation als Veränderung einzelner Prozesse und digitale Transformation als umfassender Wandel ganzer Organisationsmodelle. Diese Begriffe klingen ähnlich, meinen aber Unterschiedliches. Wer sie präzise trennen kann, versteht, warum viele Digitalisierungsprojekte an der falschen Ebene scheitern.
Ein Prozess ist eine wiederkehrende Folge von Aktivitäten, die aus einem Input einen Output für einen Kunden erzeugt. Klingt trivial, ist aber die Basis. Du lernst, Prozesse als Kette zu denken, nicht als Einzelaufgaben. Und du lernst, warum Digitalisierung immer am Prozess ansetzen muss, nicht an einzelnen Tools. Das ist der Denkrahmen für die restlichen zwölf Module.
Am Nachmittag von Tag 1 steht die erste Hands-on-Übung mit n8n an. Du legst einen Account an, klickst durch die Oberfläche und baust einen einfachen Workflow mit zwei bis drei Knoten. Zweck ist nicht, dass du danach produktiv automatisieren kannst. Zweck ist, dass du die Grundidee visuell begriffen hast.
Organisationsformen im Vergleich
Tag 2 dreht sich um Organisationsstrukturen. Du lernst drei Grundmodelle kennen: die funktionale Organisation (klassische Abteilungen wie Einkauf, Produktion, Vertrieb), die prozessorientierte Organisation (aufgebaut entlang der Wertschöpfungsketten) und agile Organisationen (cross-funktionale Teams, flache Hierarchien).
Kernfrage des Tages: Warum bremsen funktionale Silos die Digitalisierung? Die Antwort liegt im “Silo-Problem”. Wenn jede Abteilung eigene Ziele, eigene Systeme und eigene Prioritäten hat, landet der Kunde zwischen den Stühlen. Eine Kundenbeschwerde wandert durch vier Abteilungen, bevor sie beantwortet wird. Das ist kein Boshaftigkeits-Thema, sondern Struktur.
Du zeichnest in einer Übung ein Organigramm deines eigenen Arbeitgebers aus dem Kopf. In Kleingruppen vergleicht ihr die Organigramme. Das öffnet Augen. Die meisten Teilnehmer erkennen zum ersten Mal, wie stark die Organisationsform beeinflusst, wie schnell ein Unternehmen auf Veränderungen reagieren kann.
Digitaler Reifegrad
Tag 3 führt Reifegradmodelle ein. Ein Reifegradmodell misst auf einer Skala (typisch 1 bis 5), wie weit ein Unternehmen in seiner digitalen Entwicklung ist. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gibt es spezielle Instrumente, zum Beispiel den Mittelstand-Digital-Reifegradcheck. Du lernst, warum diese Messung sinnvoll ist. Ohne Standortbestimmung lässt sich keine Zielarchitektur planen.
Konkret übst du, ein fiktives KMU anhand von sechs Dimensionen einzuschätzen: Strategie, Prozesse, Daten, Technologie, Menschen und Kultur. Dieser Blick ist für später wichtig. Wer in Modul 13 ein Abschlussprojekt angeht, muss den Reifegrad seines Ziel-Unternehmens kennen, sonst plant er an der Realität vorbei.
Praxisübungen im Modul
Modul 1 enthält zwölf Hands-on-Blöcke und mehrere Diskussionseinheiten. Die wichtigsten Übungen:
- Erste KI-Erfahrung: Du probierst einen generativen KI-Chat aus und vergleichst mit einem klassischen Suchwerkzeug.
- Dein erster n8n-Workflow: Trigger wählen, Aktion hinzufügen, testen, erweitern.
- Organigramm aus dem Kopf zeichnen: Dein Arbeitgeber oder ein fiktives Unternehmen.
- Fallbeispiel Kundenbeschwerde: Wie wandert eine Beschwerde durch eine funktionale Organisation, wo verliert sie Zeit, an welcher Stelle entsteht Frust?
- Modul-Abschlussaufgabe: In Kleingruppen eine Mini-Fallstudie lösen und präsentieren.
Rund 40 Prozent der Gesamt-UE im Kurs sind Praxis. In Modul 1 fühlt sich das für manche Teilnehmer zunächst unauffällig an, weil die Inhalte noch auf Einstiegsniveau liegen. Die meisten merken erst später, dass Modul 1 das gedankliche Fundament legt, auf dem alles andere steht.
Anschluss an die folgenden Module
Modul 1 bereitet direkt Modul 2 (Prozessaufnahme und Modellierung) vor. Du brauchst das Prozessverständnis aus Modul 1, bevor du in Modul 2 lernst, einen Prozess mit BPMN-Notation zu modellieren. Das wiederum ist die Voraussetzung für Modul 3 (Prozessanalyse und Effizienzsteigerung), wo du Schwachstellen identifizierst und Verbesserungen ableitest.
Einen ausführlichen Blick darauf, wie die 13 Module aufeinander aufbauen, findest du in diesem Übersichts-Artikel. Für einen breiten Überblick über das Gesamt-Curriculum ist die Ratgeber-Pillar der richtige Einstieg. Wenn du wissen willst, welches Modul am meisten Vorwissen verlangt, hilft die ehrliche Einordnung der Modul-Schwierigkeit.
Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt die Förderbedingungen für AZAV-zertifizierte Weiterbildungen. Eine Definition von Prozessdigitalisierung aus Sicht der deutschen Wirtschaft findet sich bei Bitkom.
Zielgruppen
In der Praxis sehe ich bei jedem Kurs, dass Teilnehmer mit sehr unterschiedlichen Vorerfahrungen hier zusammenkommen. Das ist kein Problem, sondern gewollt.
Quereinsteiger ohne Berührung mit Prozessmanagement oder BPMN profitieren stark. Wer aus der Produktion, aus einem Handwerksbetrieb oder aus einem Angestelltenjob in der Verwaltung kommt, erlebt hier zum ersten Mal strukturierte Prozess-Sprache. Auch Teilnehmer mit IT-Hintergrund, die Prozesse bisher nur aus System-Sicht kannten, ziehen Wert daraus: Sie lernen, wie die fachliche Seite über dieselben Dinge redet.
Wer bereits Projekt- oder Prozessmanagement-Erfahrung hat, findet Modul 1 zunächst fast zu leicht. Das ist in Ordnung. Die Tiefe kommt in Modul 2 und 3. Modul 1 schafft den gemeinsamen Wortschatz für eine heterogene Kursgruppe. Das ist didaktisch gewollt.
FAQ zu Modul 1
Wie viele Tage dauert Modul 1?
Modul 1 dauert vier Unterrichtstage mit jeweils vier Blöcken à 90 Minuten. Insgesamt sind das 32 Unterrichtseinheiten, rund eine Arbeitswoche im Vollzeit-Format.
Brauche ich für Modul 1 technisches Vorwissen?
Nein. Modul 1 setzt keinerlei technisches Vorwissen voraus. Du legst an Tag 1 einen n8n-Account an, das ist der einzige technische Schritt. Alles andere läuft über Diskussion, Übungen auf Papier und Kleingruppenarbeit.
Was ist der Unterschied zwischen Digitalisierung und digitaler Transformation?
Digitalisierung meint die Überführung analoger Informationen in digitale Form, zum Beispiel Papierakten in PDF. Digitale Transformation meint den umfassenden Wandel des Geschäftsmodells, der Organisation und der Kultur durch digitale Technologien. Modul 1 führt diese Unterscheidung systematisch ein.
Was ist n8n und warum wird es in Modul 1 schon eingeführt?
n8n ist eine Open-Source-Plattform für Workflow-Automatisierung. In Modul 1 wird n8n bewusst früh gezeigt, damit du spätestens an Tag 1 erlebst, dass Automatisierung greifbar ist. Die tiefe Einführung folgt in Modul 5.
Kann ich Modul 1 mit Bildungsgutschein finanzieren?
Ja. Der gesamte DigiMan-Kurs ist über einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III förderbar. Voraussetzung ist die AZAV-Zertifizierung des Bildungsträgers (beim Kurs von SkillSprinters über DEKRA). Ohne Förderung kostet der Kurs 9.662,40 Euro, mit Bildungsgutschein 0 Euro.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.
Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.
Vor der Buchung: die richtigen Fragen stellen
Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, prüfe bei jedem Anbieter, ob das Curriculum wirklich so tief geht, wie es im Marketing klingt. Unser kostenloses PDF “27 Fragen, die du jedem Anbieter stellen solltest” gibt dir eine Checkliste an die Hand, mit der du ein Beratungsgespräch strukturieren kannst.
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