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Weiterbildung Digitalisierungsmanager

Wie eine 4-Monats-Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager abläuft

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Kalender mit markierten Kurswochen neben einem Laptop und Notizbuch am Schreibtisch

Eine Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager dauert 4 Monate (16 Wochen), umfasst 720 Unterrichtseinheiten (UE) und läuft komplett online mit Live-Unterricht von Montag bis Freitag. Die Inhalte sind in 13 Module geteilt, das Abschlussprojekt liegt am Ende. Ohne Förderung kostet der Kurs 9.662,40 Euro, mit Bildungsgutschein 0 Euro.

Die folgende Woche-für-Woche-Einordnung beschreibt einen realistischen Ablauf, wie er in einer AZAV-zertifizierten Weiterbildung üblich ist. In meinen Beratungsgesprächen höre ich oft die Frage: „Was passiert da eigentlich jeden Tag?” Deshalb diese Übersicht.

Die ersten zwei Wochen

Die ersten zwei Wochen sind Onboarding-Phase. Du lernst deine Lerngruppe kennen, richtest deine Werkzeuge ein, bekommst Zugang zur Lernplattform und arbeitest die ersten Inhalte aus Modul 1 durch.

Typische Aufgaben der ersten zwei Wochen:

  • Zugangsdaten prüfen, Lernplattform einrichten (meistens Moodle oder vergleichbar)
  • Webcam, Headset und Videokonferenz testen (meistens Zoom)
  • Erste Live-Sessions mit Vorstellungsrunde, Erwartungsabfrage, Lernziele
  • Modul 1 starten: Digitale Geschäftsprozesse und Organisationsstrukturen, 32 UE
  • Eigenes Dossier anlegen, in dem du später Projekte und Nachweise sammelst

Ab der zweiten Woche ist der Tag strukturiert: vier Blöcke à 90 Minuten, mit Mittagspause und zwei kurzen Unterbrechungen. Das gilt für den Großteil der Weiterbildung.

Die Wochen 3 bis 8

In den Wochen 3 bis 8 arbeitest du dich durch die Module 2 bis 6. Das sind die Grundlagen: Prozessaufnahme und Modellierung, Prozessanalyse, KI-Einführung, Werkzeuge (No-Code, Claude Code, OpenClaw) und große Sprachmodelle.

Die Module bauen aufeinander auf. Du lernst zuerst Prozesse zu erfassen und zu modellieren (BPMN-Notation), dann Schwachstellen zu finden und zu bewerten, und schließlich, wie KI und Automatisierung in diese Prozesse eingreifen. Das größte Einzelmodul (Modul 5 mit 88 UE über 11 Tage) fällt in diese Phase.

In meinen Kursen sehe ich, dass die erste richtige Durststrecke zwischen Woche 3 und 5 liegt. Der Neuigkeitseffekt des Starts ist weg, die Inhalte werden konkreter, und zum ersten Mal merkt man, wie viel Stoff noch kommt. Wer diese Phase gut plant, zieht den Rest leichter durch.

Die Wochen 9 bis 14

Die Wochen 9 bis 14 gehören zur Vertiefung. Hier laufen die Module 7 bis 12: Dokumentenverarbeitung, Chatbots und KI-Agenten, Datenanalyse, Veränderungsmanagement, Projektmanagement und Datenschutz/Compliance.

In dieser Phase wird der Praxisanteil höher. Du arbeitest häufiger in Zweier- oder Dreierteams, baust kleinere Projekte, dokumentierst sie und stellst sie vor. Wer bis zu diesem Punkt aufmerksam mitgemacht hat, hat die Werkzeuge aus Modul 5 schon zweimal benutzt und fängt an, eigene Ideen zu haben.

WochenabschnittModuleUE-SummeSchwerpunkt
Woche 1-2Onboarding + Modul 132Einstieg, Grundlagen Prozessdenken
Woche 3-8Module 2-6304Prozesse, KI-Grundlagen, Werkzeuge
Woche 9-14Module 7-12320Anwendung, Praxis, Compliance
Woche 15-16Modul 1364Abschlussprojekt, Präsentation

Die Schlussphase

Die letzten zwei Wochen gehören Modul 13: Abschlussprojekt und Umsetzung. Du wählst ein Projekt, stimmst es mit dem Dozenten ab, setzt es um und präsentierst es am Ende vor der Gruppe.

Ein typisches Abschlussprojekt dauert drei bis fünf Arbeitstage reine Umsetzung, plus ein bis zwei Tage für Vorbereitung, Dokumentation und Präsentation. Die Projekte sind meistens eigene Prozessautomatisierungen aus dem bisherigen Alltag der Teilnehmer: eine Rechnungs-Vorverarbeitung, ein Chatbot, eine Datenauswertung. Die Details zum Abschlussprojekt stehen in einem eigenen Artikel zum Abschlussprojekt.

Die emotionale Kurve der 4 Monate

Nicht alles läuft linear. Was Teilnehmer mir regelmäßig erzählen: Die erste Woche fühlt sich euphorisch an, ab Woche 3 kommt das erste Tief, Woche 6 ist oft der Punkt, an dem sich die Lerngruppe stabilisiert, Woche 10 bringt einen zweiten Energieschub (man sieht, dass man es schafft), und die letzten zwei Wochen fühlen sich anders an als alles davor, weil das Projekt plötzlich nicht mehr Übung, sondern echtes Arbeiten ist.

Wer sich über Motivationstiefs informieren will, findet im Artikel zum Lerntief in der Mitte der Weiterbildung Strategien, die in Online-Kursen wirklich helfen.

Der Tag nach dem letzten Unterrichtstag

Am Tag nach der Abschlusspräsentation hast du deine Zertifikate in der Hand (in der Regel digital als PDF, Papier folgt innerhalb weniger Tage). Ab da fängt die Bewerbungsphase an. Die Bundesagentur für Arbeit bietet zur Weiterbildungsförderung eine offizielle Übersicht, in der die formalen Abläufe nach Kursende beschrieben sind. Wer mit einem Bildungsgutschein gestartet ist, bleibt in dieser Phase im Kontakt mit seinem Vermittler oder Fallmanager.

Details zu den Wochen direkt nach Kursende beschreibt der Artikel zu den ersten Schritten nach dem letzten Unterrichtstag.

Eine vollständige Übersicht über das Curriculum und die 13 Module findest du im Ratgeber-Überblick zur Weiterbildung. Wer noch unsicher ist, ob Vollzeit oder berufsbegleitend besser passt, liest den Vergleich Vollzeit vs berufsbegleitend.

Die genaue UE-Verteilung der 13 Module ist im Artikel Was bedeutet 720 Unterrichtseinheiten konkret aufgeschlüsselt. Der rechtliche Rahmen für AZAV-Zertifizierungen steht in § 176ff SGB III, nachzulesen auf gesetze-im-internet.de.

FAQ zum Ablauf der Weiterbildung

Wie viele Stunden pro Tag sind Live-Unterricht?

In einer typischen AZAV-zertifizierten Vollzeit-Weiterbildung sind vier Blöcke à 90 Minuten Live-Unterricht vorgesehen, also rund sechs Stunden pro Tag. Hinzu kommen Eigenarbeit, Übungen und Hausaufgaben zwischen den Blöcken.

Läuft die Weiterbildung wirklich durchgehend 4 Monate?

Ja, 16 Wochen am Stück von Montag bis Freitag. Gesetzliche Feiertage sind unterrichtsfrei, Ferienzeiten im üblichen Sinn gibt es in einer Vollzeit-Maßnahme nicht. Wer Urlaub oder einen längeren Ausfall einplanen muss, sollte das vor Kursstart mit dem Anbieter und der zuständigen Stelle klären.

Kann ich während der Weiterbildung arbeiten?

In einer 720-UE-Vollzeit-Weiterbildung ist Nebenarbeit realistisch nur in sehr geringem Umfang möglich. Wer einen Bildungsgutschein nutzt, sollte zusätzlich die Regelungen der Agentur für Arbeit zu Nebentätigkeiten prüfen. Für berufsbegleitende Szenarien gibt es separate Formate, siehe Vollzeit vs berufsbegleitend.

Was passiert, wenn ich einzelne Tage verpasse?

Bei einem Einzelausfall greifen meistens Aufzeichnungen und Nacharbeit mit dem Dozenten. Längere Ausfälle (Krankheit, familiäre Gründe) werden individuell mit dem Bildungsträger geklärt, sowohl fachlich als auch für den Förderanspruch.

Wie wird das Lernen am Ende geprüft?

Die Prüfung erfolgt in Modul 13 als Abschlussprojekt mit Dokumentation und Präsentation. Bewertet werden die Umsetzung, die Dokumentation und die Fähigkeit, die Lösung zu erklären und zu verteidigen. Das ist prüfungstechnisch anspruchsvoller als reine Multiple-Choice-Tests.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.

Zuletzt geprüft am 13. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.

Vor der Buchung: die richtigen Fragen stellen

Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, solltest du bei jedem Anbieter das Curriculum, den Ablauf, die Förderbarkeit und die Prüfungsform klären. Unser kostenloses PDF „27 Fragen, die du jedem Anbieter stellen solltest” gibt dir eine praktische Checkliste an die Hand.

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