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Weiterbildung Digitalisierungsmanager

Wie viele Stunden Eigenarbeit musst du einplanen?

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Aufgeschlagenes Notizbuch mit handschriftlichem Wochenplan neben einem Laptop

Für eine Vollzeit-Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager solltest du zusätzlich zum Live-Unterricht rund ein bis drei Stunden Eigenarbeit pro Werktag einplanen. Im Durchschnitt sind das zehn bis 15 Stunden Eigenarbeit pro Woche, verteilt auf Hausaufgaben, Portfolio-Arbeit, Wiederholung und Projektvorbereitung. In ruhigen Wochen reicht eine Stunde täglich, vor Abgaben und im Abschlussprojekt können es drei bis fünf Stunden werden.

In meinen Kursen höre ich regelmäßig den Satz „Ich dachte, nach dem Unterricht wäre Feierabend”. Das ist bei einer dichten Weiterbildung selten der Fall. Dieser Artikel zeigt, was realistisch ist und wie du dir die Eigenarbeit strukturierst.

Warum es überhaupt Eigenarbeit gibt

Weil Wissen erst durch Anwendung zu Können wird. Im Live-Unterricht erklärt der Dozent ein Konzept, zeigt eine Demo, gibt eine Übung. Bis hier ist alles klar. Aber das eigentliche Lernen passiert, wenn du die gleiche Aufgabe allein ein zweites Mal löst, und dann ein drittes Mal mit einer kleinen Variation.

Diese Wiederholung passt oft nicht in den Live-Unterrichtstag. Sie landet in der Eigenarbeit. Dazu kommen Aufgaben, die als Hausaufgaben gestellt werden, und Portfolio-Arbeit, die parallel wächst.

Realistischer Zeitbedarf pro Tag

Die Faustregel: Pro Zeitstunde Live-Unterricht rund 15 bis 20 Minuten Eigenarbeit. Bei sechs bis sieben Stunden Live-Unterricht ergibt das 90 Minuten bis 140 Minuten Eigenarbeit täglich, also rund zwei Stunden im Durchschnitt.

PhaseLive pro TagEigenarbeit pro TagGesamt
Einstieg (Wochen 1-2)6 bis 7 h1 bis 2 h7 bis 9 h
Kernphase (Wochen 3-14)6 bis 7 h2 bis 3 h8 bis 10 h
Abschlussprojekt (Wochen 15-16)3 bis 4 h4 bis 6 h7 bis 10 h

Im Abschlussprojekt dreht sich das Verhältnis: weniger Live, mehr Eigenarbeit, weil du an deinem eigenen Projekt baust und der Live-Unterricht eher als Coaching funktioniert.

Typische Tätigkeiten in der Eigenarbeit

Was konkret anfällt:

  • Hausaufgaben aus dem Live-Unterricht fertigstellen, wenn du im Unterricht nicht ganz fertig wurdest
  • Eigene Übungs-Workflows bauen, um Gelerntes zu festigen
  • Portfolio-Stücke dokumentieren (Screenshots, Erklärtexte, Vorher-Nachher-Vergleiche)
  • Schwierige Themen wiederholen (BPMN-Notation, Prompt-Muster, SQL-Grundlagen)
  • Lesestoff durcharbeiten, den der Dozent vertiefend empfohlen hat
  • Auf Prüfungen oder interne Tests vorbereiten

Die Aktivitäten sind nie langweiliges Auswendiglernen. Eher: du sitzt an deinem Rechner und baust Dinge. Das ist der praktische Anteil, der die Weiterbildung von reiner Theorie unterscheidet.

Wann du die Eigenarbeit legst

Drei Ansätze funktionieren in der Praxis. Der erste: direkt nach dem Unterricht (16:30 bis 18:30). Vorteil ist, dass alles frisch ist und du keinen neuen Einstieg brauchst. Nachteil ist die Müdigkeit vom Tag. Der zweite Ansatz: früh am Morgen vor dem Unterricht (6:30 bis 8:30). Ausgeruht und konzentriert, aber mit frühem Aufstehen. Der dritte: am späten Abend nach einer Pause (20:00 bis 22:00). Ruhige Zeit, braucht aber Disziplin, um nicht einzuschlafen.

In den meisten Fällen funktioniert eine Mischung: montags bis mittwochs direkt nach dem Unterricht, donnerstags und freitags morgens früh. Experimentiere in der ersten Kurswoche, was für dich am besten passt.

Wochen ohne Eigenarbeit

Kommt selten vor. Selbst in ruhigen Wochen gibt es Portfolio-Arbeit oder Wiederholung. Eine Stunde pro Tag solltest du immer einplanen. Wochen mit null Eigenarbeit sind ein Warnsignal: entweder hinkst du hinterher (und merkst es nicht), oder der Kurs fordert zu wenig.

Was passiert, wenn du die Eigenarbeit schleifen lässt

Du hängst hinterher. Das ist keine Meinung, das ist Statistik. In meinen Kursen sehe ich regelmäßig den Fall: Teilnehmer verschiebt die Eigenarbeit drei Wochen lang auf „später”, am Ende ist später Woche sieben und der Stoff aus Woche zwei sitzt nicht mehr.

Das ist reparabel, aber aufwändig. Besser ist, die Eigenarbeit von Tag eins an fest in den Kalender zu schreiben, als feste Uhrzeit, ohne Kompromiss. Wer das macht, hat am Ende ein solides Portfolio und keinen Stress im letzten Modul.

Unterschied zu reinem Selbstlernen

In einem reinen Selbstlernkurs (ohne Live-Unterricht) machst du praktisch nur Eigenarbeit. Kein Dozent, keine Gruppe, keine feste Uhrzeit. Das klingt flexibel, führt aber in der Praxis zu hohen Abbruchraten, weil die Struktur fehlt.

In einer Live-betreuten Weiterbildung ist die Eigenarbeit der Rahmen um den Live-Unterricht. Sie ergänzt, ersetzt nichts. Beide Teile brauchen den anderen, um zu funktionieren. Mehr dazu im Artikel zu Live-Unterricht und Selbstlernen.

Eigenarbeit im Abschlussprojekt

Im Abschlussprojekt (Modul 13, rund 64 UE) dreht sich das Verhältnis. Der Live-Unterricht ist dann eher Coaching und Präsentation, die eigentliche Arbeit passiert in der Eigenphase. Vier bis sechs Stunden Eigenarbeit am Tag sind in dieser Phase normal, manche Teilnehmer investieren auch das Wochenende.

Das ist anstrengend, aber es ist der Moment, in dem alles zusammenkommt. Der Artikel zum Abschlussprojekt zeigt den Ablauf im Detail. Zur Weiterbildung im Detail gibt es die Pillar-Übersicht. Der Wochenplan eines typischen Tages erklärt die Verteilung pro Werktag, und der Ablauf der vier Monate zeigt die Gesamtphase.

Neutrale Informationen zu Struktur und Umfang von Vollzeit-Weiterbildungen bietet die Bundesagentur für Arbeit. Zur rechtlichen Basis der AZAV-Zertifizierung findest du den Gesetzestext auf gesetze-im-internet.de.

FAQ zur Eigenarbeit

Ist Eigenarbeit bezahlt oder unbezahlt?

Bei geförderten Kursen (Bildungsgutschein) wird die Eigenarbeit nicht getrennt erfasst. Du bekommst Arbeitslosengeld während der Kursphase, das deckt alles ab. Bei Selbstzahlern ist Eigenarbeit deine persönliche Investition in deine Qualifizierung.

Kann ich Eigenarbeit auf andere Zeiten verschieben?

Ja, wenn du sie überhaupt machst. Die Zeit, in der du die Arbeit erledigst, ist dir überlassen. Aber sie muss erledigt werden, sonst hängt die Portfolio-Arbeit hinterher.

Wird Eigenarbeit kontrolliert?

Indirekt. Der Dozent sieht, ob du die Hausaufgaben abgegeben hast, ob dein Portfolio wächst, ob du die Prüfungen bestehst. Wer dauerhaft Eigenarbeit schleifen lässt, fällt auf.

Wie viel Eigenarbeit ist zu viel?

Mehr als vier Stunden pro Werktag im Schnitt (außer im Abschlussprojekt) ist ein Zeichen für Überforderung. Dann hilft ein Gespräch mit dem Dozenten, um Schwerpunkte zu setzen und nicht alles gleichzeitig machen zu müssen.

Muss ich die Eigenarbeit allein machen?

Nein. Eigenarbeit heißt, dass du außerhalb des Live-Unterrichts arbeitest. Ob du dabei allein oder mit einem Lernpartner arbeitest, ist dir überlassen. Viele Teilnehmer machen Gruppen-Sessions per Videochat, um sich gegenseitig zu helfen.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.

Vor der Buchung: die richtigen Fragen stellen

Frag bei jedem Anbieter konkret nach der Menge der Eigenarbeit, nach Abgabeterminen und nach Portfolio-Pflichten. Unser kostenloses PDF „27 Fragen, die du jedem Anbieter stellen solltest” hilft dir dabei.

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