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Weiterbildung Digitalisierungsmanager

Mitschriften die helfen: digital oder analog?

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Frau macht handschriftliche Notizen neben einem Laptop mit offener Lernplattform

Tippen oder mit der Hand schreiben? Für die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager gibt es keine pauschale Antwort, aber eine klare Faustregel: Handschrift ist besser zum Verstehen, digital ist besser zum Wiederfinden. Wer beides kombiniert, hat den größten Nutzen. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wie du deine Mitschriften so strukturierst, dass du vier Monate später noch damit arbeiten kannst.

In meinen Kursen sehe ich beide Extreme. Manche Teilnehmer tippen 200 Wörter pro Minute und haben am Ende 400 Seiten Wall of Text, die niemand mehr liest. Andere zeichnen mit Filzstift auf Papier und finden nach zwei Wochen ihre Mindmap nicht wieder. Die besten Mitschriften folgen einem System.

Der Vorteil der Handschrift

Die Forschung zu Handschrift-Notizen zeigt einen klaren Effekt. Wer mit der Hand schreibt, verarbeitet Informationen tiefer. Der Grund ist simpel. Handschrift ist langsamer als Tippen, etwa 20 bis 30 Wörter pro Minute gegenüber 60 bis 80 beim Tippen. Diese Verlangsamung zwingt dein Gehirn zur Auswahl. Du kannst nicht alles mitschreiben, also entscheidest du in Echtzeit, was wichtig ist. Dieser Entscheidungsprozess ist der eigentliche Lerneffekt.

Beim Tippen dagegen schreibst du oft wörtlich mit, ohne nachzudenken. Das Gehirn bleibt im Transkript-Modus und verarbeitet den Inhalt kaum. Der Effekt ist am stärksten bei konzeptionellen Themen wie Prozessmodellierung, Datenschutzlogik oder der Architektur eines KI-Agenten. Also genau bei den Inhalten, die im Digitalisierungsmanager-Kurs den Kern ausmachen.

Wo digital trotzdem gewinnt

Digital gewinnt bei Suchbarkeit, Kopierbarkeit und Teilbarkeit.

Nach vier Monaten Kurs hast du etwa 720 Unterrichtseinheiten erlebt. Wenn du eine bestimmte Formel, einen Modulnamen oder einen n8n-Befehl suchst, brauchst du Volltextsuche. Mit 30 handgeschriebenen Heften wird das zur Suche im Heuhaufen. Digitale Notizen in Obsidian, Notion, Logseq oder auch nur in einem sauber benannten Markdown-Ordner auf dem Rechner sind in einer Sekunde durchsuchbar.

Code, Kommandozeilen-Befehle und Links gehören nicht auf Papier. Wenn du in Modul 5 einen n8n-Workflow nachbaust oder in Modul 6 einen Prompt speichern willst, brauchst du Copy und Paste. Auch Screenshots vom Bildschirm gehören in ein digitales System, nicht in ein Heft.

Das Zwei-Schicht-System

Die produktivsten Teilnehmer in meinen Kursen nutzen ein einfaches Zwei-Schicht-System. Schicht eins ist ein analoges Tagesheft. Schicht zwei ist eine digitale Wissensdatenbank.

Schicht eins ist das Tagesheft. Ein schlichtes A5-Notizbuch mit Datum oben, dem Modul und dem Tagesthema. Hier landet alles, was während des Live-Unterrichts durch deinen Kopf geht: Fragen, Aha-Momente, kleine Skizzen, Stichwörter. Du schreibst mit Stift, du kritzelst, du pfeilst zwischen Begriffen hin und her. Das ist dein Denk-Werkzeug.

Schicht zwei ist die digitale Wissensdatenbank. Abends oder am nächsten Morgen überträgst du die wichtigsten Punkte in strukturierte Markdown-Dateien oder eine Wissens-App. Pro Modul ein Ordner, pro Tag eine Datei, klare Überschriften. Dauer: 15 bis 20 Minuten pro Tag. Der Übertrag ist gleichzeitig die erste Wiederholung des Stoffs und wirkt wie eine zweite Lern-Session.

Teilnehmer erzählen mir regelmäßig, dass sie genau diesen Abend-Übertrag am Anfang lästig finden und nach zwei Wochen nicht mehr darauf verzichten wollen. Weil sie merken, wie stark es das Wissen festigt.

Werkzeuge für die digitale Schicht

Du brauchst kein teures System. Vier Varianten funktionieren in der Praxis:

  1. Obsidian (kostenlos für Einzelnutzer, lokal auf deinem Rechner). Markdown-basiert, schnelle Suche, einfache Verlinkung zwischen Notizen. Die Datenschutz-Lösung: Alles liegt als normale Textdatei auf deinem Laptop.
  2. Notion (kostenlos in der Basisversion). Schöner, flexibler, aber läuft in der Cloud. Wer mit sensiblen Daten oder Screenshots aus Kundensystemen arbeitet, sollte hier vorsichtig sein.
  3. Markdown-Ordner plus VS Code. Die Variante für Technik-Affine. Keine Zusatz-App, du nutzt einen Texteditor und git zur Versionierung.
  4. OneNote oder Evernote. Beide sind solide, beide sind proprietär. Export ist möglich, aber umständlich.

Für den Digitalisierungsmanager-Kurs ist Obsidian oder ein einfacher Markdown-Ordner oft die beste Wahl, weil du mit echten Textdateien arbeitest, die du später in eigene Projekte übernehmen kannst.

Strukturierung nach Modulen

Die Weiterbildung hat 13 Module. Eine sinnvolle Ordnerstruktur in der digitalen Schicht sieht so aus:

  • /01_prozesse_organisation/
  • /02_prozessaufnahme_modellierung/
  • /03_prozessanalyse_kpis/
  • … bis /13_abschlussprojekt/

In jedem Modul-Ordner sammelst du drei Dateien: zusammenfassung.md (ein Kondensat nach dem Modulende), uebungen.md (Code, Workflows, Prompts, Cheat Sheets) und fragen_antworten.md (Fragen aus dem Unterricht und wie sie beantwortet wurden).

Ein vierter Ordner /glossar/ ist Gold wert. Dort landen alle neuen Begriffe mit einer kurzen Definition in eigenen Worten. BPMN, AZAV, Vektor-Datenbank, Fine-Tuning, RAG, Embedding, Webhook: Wenn du diese Begriffe Modul für Modul sammelst, hast du am Ende dein persönliches Fachwörterbuch.

Tablets und digitale Stifte

Eine Mittelweg-Lösung ist ein Tablet mit Stift (iPad, reMarkable, Samsung Galaxy Tab). Du hast die Handschrift-Erfahrung, aber alle Seiten sind digital durchsuchbar (OCR). Der Nachteil: Ein ordentliches Gerät kostet 400 bis 800 Euro und der Akku reicht selten einen vollen Unterrichtstag plus Abend-Arbeit.

Mein Eindruck aus der Beratungspraxis: Für die meisten Teilnehmer ist ein 15-Euro-Notizbuch plus eine digitale Schicht auf dem bestehenden Laptop die beste Lösung. Das Tablet lohnt sich vor allem, wenn du beruflich ohnehin viel handschriftlich arbeitest oder viele Skizzen machst.

Mehr zur Selbstorganisation im Online-Lernen findest du im Artikel zum komplexe-Themen-Verstehen und im Artikel zu Wiederholungen ohne Langeweile. Die Pillar Weiterbildung im Detail gibt den Kurs-Gesamtüberblick. Wer die technische Ausstattung prüfen will, findet Hinweise im Artikel zu Internetverbindung und Webcam-Setup. Und wer sich für den Kursablauf interessiert, schaut in den Artikel zu Live-Sessions über Zoom.

Informationen zu digitalen Kompetenzen im Berufsalltag findest du beim Bitkom-Verband, und einen Überblick zur geförderten Weiterbildung gibt die Bundesagentur für Arbeit.

FAQ zu Mitschriften in der Weiterbildung

Reicht es nicht, die Moodle-Unterlagen durchzulesen?

Nein. Die Unterlagen sind eine Referenz, keine Lernerfahrung. Wer nur liest, vergisst nach einer Woche fast alles. Aktives Notieren ist nicht optional.

Wie viel Zeit investiere ich täglich in Mitschriften?

Im Unterricht nebenbei, plus 15 bis 20 Minuten abends für den Übertrag in die digitale Schicht. Das ist der Rhythmus, mit dem es funktioniert.

Was mache ich mit Code und Prompts?

Code, Prompts und Kommandozeilen-Befehle immer digital. Copy & Paste aus dem Unterricht in deine Modul-Ordner. Handschrift macht hier keinen Sinn, weil du den Code später wortgenau brauchst.

Sollte ich Mitschriften mit Lernpartnern teilen?

Ja, aber nicht wörtlich. Zusammenfassungen austauschen, sich gegenseitig Verständnis-Lücken aufzeigen. Wer die eigenen Rohmitschriften teilt, spart sich selbst den Lern-Effekt. Mehr dazu im Artikel zu Lernpartnern ohne Präsenz.

Was, wenn ich handwriting nicht mag?

Dann tippst du. Wichtig ist dann: Nicht wortwörtlich transkribieren, sondern in eigenen Worten umformulieren. Der Wirkmechanismus ist das aktive Verarbeiten, nicht die Hand-Bewegung.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.

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