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Weiterbildung Digitalisierungsmanager

Akademiker und Nicht-Akademiker im selben Kurs

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Drei Personen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds in einem Online-Meeting auf Laptops

In jedem Kurs zum Digitalisierungsmanager sitzen Akademiker und Nicht-Akademiker zusammen, und genau das ist eine Stärke des Formats. Wer einen Hochschulabschluss hat, bringt theoretische Tiefe mit. Wer aus der Berufspraxis kommt, bringt konkrete Anschauung mit. Beide Perspektiven sind im Lernprozess wertvoll. Niemand muss sich anpassen, niemand wird ausgebremst.

In der Beratungspraxis bekomme ich diese Frage oft von beiden Seiten. Akademiker fragen, ob der Kurs für sie zu praktisch ist. Nicht-Akademiker fragen, ob sie mithalten können. Beide Sorgen lösen sich in den ersten Wochen auf.

Heterogenität der Kursgruppen

Eine typische Gruppe von 18 Teilnehmern besteht etwa zur Hälfte aus Akademikern und zur Hälfte aus Nicht-Akademikern. Bei den Akademikern überwiegen Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und manchmal Naturwissenschaften. Reine Informatiker sind selten, weil sie oft direkt in IT-Rollen unterwegs sind. Bei den Nicht-Akademikern dominieren Buchhaltung, Vertrieb, Verwaltung, Handwerk und Pflege.

Diese Mischung ist gewollt. Sie spiegelt die Realität in den Unternehmen, in denen Digitalisierung passieren soll. Wer nach dem Kurs in einem Mittelstandsbetrieb arbeitet, wird mit Kollegen aus genau diesen Hintergründen arbeiten. Mehr im Artikel zur ehrlichen Einordnung der Voraussetzungen.

Was Akademiker mitbringen

Drei Vorteile, die sich in der Praxis zeigen:

  • Erfahrung mit theoretischen Konzepten. Abstrakte Modelle (etwa BPMN in Modul 2) lassen sich schneller einordnen.
  • Disziplinierte Eigenarbeit. Längere Lernphasen sind vertraut, Selbststrukturierung ist trainiert.
  • Recherche-Routinen. Quellen prüfen, Inhalte einordnen, Argumente gewichten.

Was Akademiker manchmal lernen müssen, ist Konkretheit. Wer eine Doktorarbeit geschrieben hat, ist es gewohnt, jeden Begriff zu definieren, bevor er ihn benutzt. Im Kursalltag ist das oft hinderlich, weil die Werkzeuge schneller vorgehen. Die Bereitschaft, mal “nur zu klicken” und später zu verstehen, ist ein Lernschritt.

Was Nicht-Akademiker mitbringen

Andere Vorteile, die genauso wichtig sind:

  • Geschäftspraxis aus erster Hand, nicht aus Lehrbüchern.
  • Pragmatismus. Schnell die Lösung statt die perfekte Theorie.
  • Routinierte Werkzeug-Nutzung. Wer jahrelang mit einem CRM oder einer Buchhaltungssoftware gearbeitet hat, bringt Affinität zu Software mit.

Die Lernkurve liegt oft bei theoretischen Modellen. BPMN-Notation oder Datenmodellierung sind keine akademischen Spielereien, sondern handfeste Werkzeuge. Wer sie ablehnt, beraubt sich einer Sprache, mit der man später mit IT-Teams kommuniziert.

Typische Reibungen in der Gruppe

Reibungen sind selten. Wenn sie auftreten, dann meist bei diesen Themen:

ReibungspunktWer fühlt sich wieWas hilft
Theoriefolien zu langPraktiker fühlen sich gebremstDozent baut Praxisbeispiele dazwischen
Praktische Übungen zu schnellTheoretiker fühlen sich überrolltÜbungspartner aus dem anderen Lager
Fachbegriffe nicht erklärtQuereinsteiger verlieren AnschlussGlossar-Pflicht im Forum, Zwischenfragen erlaubt
Vorerfahrung wird vorausgesetztBestimmte Gruppen frustriertDozent fragt aktiv nach, holt zurück

Ein guter Kurs orchestriert diese Reibungen aktiv. Dozenten sind darauf trainiert, gemischte Gruppen zu führen, Lerntempo zu balancieren und niemanden zurückzulassen. Mehr im Artikel zum Online-Lernen im Live-Format.

Partnerübungen in gemischten Gruppen

Partnerübungen sind oft der produktivste Moment des Tages, gerade bei gemischten Paaren. Wenn ein Akademiker und ein Praktiker zusammen einen Workflow bauen, lernt der Akademiker die Logik des “schnell ausprobieren”, während der Praktiker die Logik des “vorher kurz strukturieren” mitnimmt.

In der Beratungspraxis höre ich oft, dass Teilnehmer aus solchen Übungen Kontakte mitnehmen, die Monate nach Kursende noch halten. Die Erfahrung, gemeinsam ein Problem gelöst zu haben, ist eine der besten Grundlagen für echte Lernpartner. Mehr im Artikel zu Lerngruppen ohne Präsenz.

Wer am Ende leichter einen Job findet

Beide, aber mit unterschiedlichen Profilen. Akademiker bewerben sich oft auf konzernnahe Rollen oder Beratungspositionen, weil ihr theoretischer Hintergrund dort gefragt ist. Nicht-Akademiker bewerben sich oft auf praxisnahe Rollen in mittelständischen Unternehmen, wo “Hands-on” mehr zählt als ein Diplom. Beide Wege sind realistisch.

Was beide Gruppen nach der Weiterbildung lernen müssen, ist den eigenen Mehrwert klar zu formulieren. Akademiker neigen dazu, ihre Praxis-Erfahrung zu unterschätzen, Nicht-Akademiker ihre theoretische Grundlage. Beide verschenken damit Bewerbungs-Argumente. Mehr im Artikel zum Lebenslauf nach der Weiterbildung.

Was Personaler zu Quereinsteigern sagen

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zu Quereinsteigern zeigt, dass viele Personalverantwortliche Quereinsteiger explizit suchen, weil sie Lebenserfahrung und Branchenwissen mitbringen, das ein Berufseinsteiger nicht hat. Die formelle Akademisch-Schwelle wird in der Praxis oft nicht so eng gesehen, wie es die Stellenanzeige vermuten lässt.

Was zählt, ist das konkrete Profil: Was hast du gemacht, was kannst du jetzt zusätzlich, was bringst du dem nächsten Arbeitgeber? Wer das klar erzählen kann, hat unabhängig vom Bildungshintergrund eine reale Perspektive. Eine offizielle Übersicht zu Stellenangeboten und Qualifikationsprofilen findest du im Berufenet der Bundesagentur für Arbeit.

FAQ zu Akademikern und Nicht-Akademikern

Bin ich als Akademiker im Kurs unterfordert?

In der Regel nein. Die Werkzeuge sind für die meisten Akademiker neu, und der Praxisanteil von rund 40 Prozent fordert auch jemanden mit Doktorhut. Wer aus einem reinen Theorie-Studium kommt, wird im Modul 5 erstmals selbst bauen.

Bin ich als Nicht-Akademiker im Kurs überfordert?

Selten. Die Theorie wird so vermittelt, dass sie an konkrete Beispiele anknüpft. Wer offen ist und Fragen stellt, kommt mit. Die meisten Sorgen lösen sich in den ersten zwei Wochen.

Lernen Akademiker und Nicht-Akademiker gleich schnell?

Unterschiedlich, je nach Modul. In Theorie-Modulen sind Akademiker oft schneller. In Praxis-Modulen sind Praktiker oft schneller. Über vier Monate gleicht sich das aus.

Mache ich nach dem Kurs Arbeit, die “unter” meinem Bildungsniveau ist?

Die Frage ist falsch. Digitalisierung ist eine Querschnittsaufgabe, kein hierarchisches Berufsfeld. Wer eine Promotion in Geisteswissenschaften hat und danach Prozesse automatisiert, macht keine “untere” Arbeit, sondern eine andere.

Brauche ich nach dem Kurs noch ein Studium?

Nein. Der DEKRA-zertifizierte Abschluss reicht für die meisten Stellen. Wer sich später spezialisieren will, kann ein berufsbegleitendes Aufbaustudium machen, das ist eine separate Entscheidung.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.

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