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Weiterbildung Digitalisierungsmanager

Modul 13 DigiMan: Abschlussprojekt und Umsetzung

· 9 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Teilnehmer präsentiert sein Abschlussprojekt als Live-Demo vor der Gruppe

Modul 13 der Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager umfasst 64 Unterrichtseinheiten (UE) in acht Tagen. Es ist das Abschlussmodul des 720-UE-Curriculums. Du wählst ein eigenes Digitalisierungsprojekt, analysierst den Ist-Zustand, konzipierst den Soll-Zustand, implementierst Kern-Workflows, integrierst KI, testest, dokumentierst, präsentierst und erhältst am letzten Tag das DEKRA-Zertifikat.

Modul 13 ist keine Theorie-Wiederholung. Es ist das, was du in einem Vorstellungsgespräch zeigen wirst. Das Portfolio, das du hier aufbaust, ist oft wichtiger als jedes Zertifikat auf Papier. Wer am Ende des Kurses ein durchgängiges, dokumentiertes Projekt in der Hand hat, kommt in der Bewerbung anders an als jemand, der nur eine Teilnahmebescheinigung vorzeigen kann.

Aufbau des Moduls

Modul 13 läuft über acht Tage. Jeder Tag hat eine klare Projektphase.

TagPhase
1Kick-off: Projektwahl und Unternehmensanalyse
2Ist-Analyse und Soll-Konzeption
3Implementierung Teil 1: Kern-Workflows
4Implementierung Teil 2: KI-Integration
5Testing und End-to-End-Integration
6Dokumentation finalisieren
7Präsentation vorbereiten und Probeläufe
8Präsentationen, Feedback, Zertifikatsübergabe

Die Struktur spiegelt eine reale Projektdurchführung im Kleinformat. Jeder Tag hat klare Deliverables. Du arbeitest allein oder zu zweit, je nach Projektgröße und Absprache mit dem Dozenten.

Projektoptionen am Kick-off

Tag 1 ist der Kick-off. Du wählst aus drei Projektoptionen:

  1. Eigenes Unternehmensprojekt: Ein konkreter Prozess aus deinem aktuellen oder früheren Arbeitsumfeld. Stärkster Lerneffekt, weil die Realität kompromisslos ist. Voraussetzung: kein Verstoß gegen NDA oder Betriebsgeheimnisse.
  2. Fallszenario aus dem Kurs: Ein vorgegebenes Szenario mit Kontext und Daten. Gut, wenn du kein eigenes Projekt hast oder wenn dein Arbeitsumfeld sensible Daten enthält.
  3. NGO- oder Pro-Bono-Projekt: Ein reales Projekt für eine gemeinnützige Organisation. Kombiniert Praxis mit sichtbarem Nutzen.

Am Nachmittag führst du eine Unternehmensanalyse durch, oft KI-gestützt mit Claude Code. Das klingt abstrakt, ist aber konkret: Du beschreibst das Unternehmen, die Rolle des Prozesses im Gesamtablauf, die betroffenen Stakeholder, die Rahmenbedingungen. Der Projektbrief wird am Ende von Tag 1 finalisiert und mit dem Dozenten abgestimmt.

Ist-Analyse und Soll-Konzeption

Tag 2 bringt alles zusammen, was du in Modul 2 und 3 gelernt hast. Du modellierst den Ist-Prozess in BPMN, analysierst Schwachstellen mit Pareto, Ishikawa und VSM und entwickelst ein Soll-Konzept. Die Farbcodierung der Prozessänderungen (rot für entfallende Schritte, grün für neue Schritte, gelb für modifizierte) macht den Unterschied sichtbar.

Du erstellst eine Workflow-Map, die zeigt, wie der neue Prozess mit Werkzeugen aus Modul 5 bis 9 umgesetzt werden soll. Welche Schritte übernimmt n8n, welche ein LLM, welche ein IDP-Modul, welche bleiben menschlich. Am Ende des Tages steht das Konzeptdokument, das die Grundlage für die folgenden Implementierungstage ist.

Implementierung der Kern-Workflows

Tag 3 ist der erste Implementierungstag. Du baust die zentralen n8n-Workflows auf, die deinen Prozess tragen. Fortgeschrittene n8n-Patterns kommen zum Einsatz: Error-Handling, Subworkflows, bedingte Verzweigungen, parallelisierte Pfade, Webhook-Integration mit externen Systemen.

Du lernst die Bedeutung sauberer Benennung, konsistenter Datenstrukturen und defensiver Fehlerbehandlung. Das ist der Punkt, an dem das “mal schnell zusammengeklickt” gegen das “produktiv nutzbar” abgegrenzt wird. Produktive Workflows unterscheiden sich von Übungs-Workflows vor allem in ihrer Fehlertoleranz.

KI-Integration

Tag 4 ist der KI-Tag. Du integrierst die KI-Bausteine, die dein Projekt braucht: ein LLM für Textanalyse, ein IDP-Modul für Dokumentenverarbeitung, einen Chatbot als Schnittstelle oder ein prädiktives Modell für eine Vorhersage. Die Auswahl hängt vom Projekt ab.

Die Herausforderung liegt nicht in der Technik allein, sondern in der sauberen Einbindung. Welche Daten gibst du rein, welche bekommst du zurück, wie validierst du die Ergebnisse, wo greift Human-in-the-Loop. Diese Fragen entscheiden über die Qualität des Endergebnisses.

Testing und End-to-End-Integration

Tag 5 ist der Test-Tag. Du lernst die Test-Pyramide für Automatisierungen: einzelne Nodes testen, Workflow-Ausschnitte testen, End-to-End-Tests mit realistischen Daten. Jede Ebene deckt andere Fehlerklassen auf.

Du testest deinen Prozess mit drei bis fünf realistischen Szenarien: ein normaler Fall, ein Grenzfall, ein Fehlerfall, gegebenenfalls ein Sicherheitsfall. Die Ergebnisse dokumentierst du. Am Ende des Tages sollte dein Prozess mindestens in den Normalfällen verlässlich laufen.

Projektdokumentation

Tag 6 ist Dokumentations-Tag. Die Dokumentation umfasst zwanzig bis dreißig Seiten und folgt einer festen Struktur: Projektbrief, Ist-Analyse, Soll-Konzept, Implementierungsdetails, Testergebnisse, DSGVO- und Compliance-Hinweise, Ausblick. Das klingt nach viel, ist aber realitätsnah. Jede dokumentationsfreie Lösung verliert beim Personalwechsel oder bei Kontrollfragen ihren Wert.

Du lernst, technische Inhalte lesbar aufzubereiten. Nicht jede Zeile Code in die Dokumentation, sondern die Struktur, die Entscheidungen und die Begründungen. Was jemand anderes später verstehen und pflegen können muss.

Präsentation und Zertifikatsübergabe

Tag 7 und Tag 8 sind die Abschlusstage. Tag 7 bereitet die Präsentation vor: zwanzig Minuten Vortrag plus zehn Minuten Q&A. Die Struktur ist standardisiert: Kontext, Problem, Lösung, Live-Demo, Ergebnisse, Ausblick. Du übst den Ablauf in Probeläufen, bekommst Feedback von Teilnehmern und Dozent.

Die Live-Demo ist der kritische Moment. Du zeigst deinen Prozess in Aktion, nicht als Folien-Screenshot. Das Vorbereitungs-Handwerk (Browser-Tabs vorbereitet, Beispieldaten geladen, Back-up-Plan für Ausfälle) entscheidet über den Eindruck.

Tag 8 ist der Abschlusstag. Du präsentierst vor der Gruppe und dem Dozenten, erhältst strukturiertes Feedback und bekommst am Ende des Tages dein DEKRA-Zertifikat, den Portfolio-Nachweis und die weiteren Modul-Zertifikate. Das ist der formale Abschluss der Weiterbildung.

Bewertung des Abschlussprojekts

Die Bewertungskriterien sind transparent: Qualität der Ist-Analyse, Nachvollziehbarkeit des Soll-Konzepts, technische Umsetzung, Testabdeckung, Dokumentationsqualität, Präsentationsklarheit. Bewertet wird das Gesamtbild, nicht ein einzelner Punkt. Ein technisch perfektes Projekt mit unverständlicher Präsentation verliert genauso wie eine glänzende Präsentation ohne substanzielle Umsetzung.

Position im Gesamtcurriculum

Modul 13 ist das integrative Modul. Es nutzt Wissen aus allen vorherigen Modulen: Prozessverständnis (Modul 1-3), KI-Grundlagen (Modul 4), Werkzeuge (Modul 5), LLMs (Modul 6), IDP (Modul 7), Chatbots (Modul 8), Datenanalyse (Modul 9), Change (Modul 10), Projektmanagement (Modul 11), Compliance (Modul 12). Kein anderes Modul fordert diese Breite.

Einen breiten Blick auf das Gesamt-Curriculum gibt die Ratgeber-Pillar. Wer wissen will, welches Projekt typisch ist und welche Erwartungen realistisch sind, findet den Artikel zu Abschlussprojekt-Beispielen in Silo 5. Wie die Module in den Gesamtablauf passen, erklärt die Modul-Logik-Übersicht.

Die formalen Anforderungen an AZAV-zertifizierte Weiterbildungen beschreibt die Bundesagentur für Arbeit. Eine Einordnung der Nachfrage nach praktischen Digitalisierungskompetenzen liefert regelmäßig die Bitkom.

FAQ zu Modul 13

Muss ich das Abschlussprojekt allein machen?

Nicht zwingend. Einzelprojekte und Projekte zu zweit sind möglich. Die Entscheidung wird in Absprache mit dem Dozenten getroffen und hängt von Projektgröße und Komplexität ab.

Was, wenn mein Arbeitgeber das Projekt nicht freigibt?

Dann wählst du die zweite oder dritte Option (Kurs-Szenario oder NGO-Projekt). Der Lernwert ist in allen drei Varianten gegeben.

Wie lange dauert die Vorbereitung neben den acht Unterrichtstagen?

Realistisch kommen zu den 64 UE Unterricht zwischen 20 und 40 Stunden Eigenarbeit dazu, je nach Projekt und individueller Geschwindigkeit. Viele Teilnehmer nutzen die Wochenenden zwischen den Unterrichtstagen für die Implementierung.

Bekomme ich die Zertifikate direkt am letzten Tag?

Ja. Am Tag 8 findet die Zertifikatsübergabe statt. Du erhältst das DEKRA-Zertifikat, den Portfolio-Nachweis und die weiteren modulspezifischen Nachweise (Microsoft AI-900 Fundamentals, EU AI Act Sachkundenachweis, Prompt Engineering Nachweis).

Kann ich Modul 13 mit Bildungsgutschein finanzieren?

Ja. Der DigiMan-Kurs ist nach § 81 SGB III vollständig über Bildungsgutschein förderbar. Modul 13 ist Teil des Gesamtkurses, nicht separat buchbar. Kosten ohne Förderung 9.662,40 Euro, mit Bildungsgutschein 0 Euro.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.

Vor der Buchung: die richtigen Fragen stellen

Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, prüfe bei jedem Anbieter, ob das Curriculum wirklich so tief geht, wie es im Marketing klingt. Unser kostenloses PDF “27 Fragen, die du jedem Anbieter stellen solltest” gibt dir eine Checkliste an die Hand, mit der du ein Beratungsgespräch strukturieren kannst.

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