Welche Vorkenntnisse die 13 DigiMan-Module verlangen
Die kurze Antwort auf die Frage nach den Vorkenntnissen im Digitalisierungsmanager-Kurs lautet: Keine. Der Kurs setzt offiziell keine Programmierkenntnisse und keinen IT-Hintergrund voraus. Die längere Antwort sieht so aus. Einige Module werden leichter, wenn du bestimmte Grundlagen mitbringst, aber keines ist ohne diese Vorkenntnisse unmöglich. Dieser Artikel geht jedes der 13 Module durch und sagt dir, was realistisch hilft.
Was du mitbringen solltest, ist weniger technisches Vorwissen als eine grundlegende Haltung. Neugier, Geduld mit eigenen Fehlern und die Bereitschaft, Fragen zu stellen. Der Rest kommt im Kurs. In Beratungsgesprächen hören wir es regelmäßig: Haltung ist das Wichtigste. Ein lernwilliger Quereinsteiger schafft mehr als ein ungeduldiger Informatiker.
Harte Mindestvoraussetzungen
| Anforderung | Niveau | Pflicht? |
|---|---|---|
| Deutsch | B2 | Ja, für den Live-Unterricht |
| Englisch | A2 bis B1 | Empfohlen (Tool-Oberflächen, Fachbegriffe) |
| Computer-Grundlagen | Office, Browser, E-Mail | Ja |
| Eigener Laptop | Internetfähig | Ja (Mindestanforderungen beim Anbieter erfragen) |
| Motivation für vier Monate Vollzeit | Hoch | Ja |
| Programmierkenntnisse | Keine | Nein |
| IT-Ausbildung | Keine | Nein |
| Mathematik | Schulniveau | Ja |
Alles darüber hinaus ist optional. Der Kurs ist für Quereinsteiger konzipiert, das ist kein Marketing, das ist didaktische Realität.
Modul 1: Geschäftsprozesse und Organisation
Modul 1 (Geschäftsprozesse und Organisation, 32 UE) setzt nichts voraus außer dem allgemeinen Verständnis, wie ein Unternehmen funktioniert. Wer einmal in einer Organisation gearbeitet hat (egal welcher Branche), kann die Diskussionen sofort mitführen. Wer direkt aus der Ausbildung oder dem Studium kommt, braucht etwas länger, um die Beispiele einzuordnen, aber die Inhalte werden verständlich erklärt.
Optional hilfreich: ein grobes Verständnis dessen, was “Prozessmanagement” überhaupt meint. Ein Youtube-Video oder ein Wikipedia-Artikel reicht vollständig aus.
Modul 2 und 3: Prozessaufnahme und Analyse
Modul 2 (Prozessaufnahme und Modellierung, 40 UE) und Modul 3 (Prozessanalyse, 40 UE) verlangen nichts spezifisch Technisches. Sie verlangen Bereitschaft, mit strukturierter Notation zu arbeiten. Wer Flussdiagramme schon einmal gesehen hat, ist im Vorteil. Wer nicht, lernt es in den ersten zwei Tagen.
Optional hilfreich: Ein vorheriger Blick auf bpmn.io (der Editor, der später in Modul 2 verwendet wird). Ohne den Blick klappt es genauso, aber mit Blick fühlst du dich an Tag 1 orientiert.
Modul 4: KI-Grundlagen
Modul 4 (KI-Grundlagen, 56 UE) setzt voraus, dass du ein generatives KI-Tool (ChatGPT, Claude, Gemini) mindestens einmal kurz ausprobiert hast. Das ist keine formale Voraussetzung, aber wer noch nie mit einem Chat-KI-Werkzeug gesprochen hat, verliert zu Beginn Zeit, die besser in inhaltliches Lernen fließen würde.
Optional hilfreich: Eine Stunde in einem frei verfügbaren KI-Chat investieren. Einfach ein paar Aufgaben ausprobieren, ein paar Fragen stellen, ein Dokument analysieren lassen. Dieser “erste Kontakt” ist Gold wert.
Modul 5: Werkzeuge für Automatisierung
Modul 5 (Werkzeuge für Automatisierung, 88 UE) ist das Modul, für das manche Teilnehmer Vorbereitung lohnend finden. Wer Zapier oder Make schon einmal benutzt hat, ist in den ersten Tagen entspannt. Wer n8n schon kennt, hat einen Vorteil bei Tag 3-5. Wer keins der Tools kennt, lernt alles im Kurs und verliert nichts an Qualität, braucht aber mehr Aufmerksamkeit.
Optional hilfreich: Kostenlos einen Zapier-Account anlegen und einen einfachen Zap bauen. Alternativ in der n8n-Cloud einen Workflow mit zwei Knoten bauen. Zeitaufwand: eine Stunde.
Für Claude Code ist eine einfache Vorbereitung hilfreich: Node.js auf dem eigenen Rechner installieren, damit der Start an Tag 6 nicht an Installationsproblemen hängt. Der Anbieter liefert dafür meist eine Anleitung.
Modul 6: Große Sprachmodelle
Modul 6 (Große Sprachmodelle, 80 UE) ist das Modul mit der höchsten Begriffsdichte. Wer vorher schon Begriffe wie “Prompt Engineering”, “Token”, “Kontextfenster”, “Halluzination” gehört hat, findet sich schneller zurecht. Wer nicht, dem erklärt der Kurs alles, aber du brauchst etwas mehr Geduld in der ersten Woche.
Optional hilfreich: Eine einfache Einführung zu LLMs aus einer allgemein zugänglichen Quelle (etwa ein Fachartikel oder ein Erklärvideo auf deinem Sprachniveau). Zwanzig Minuten investieren vor Kursbeginn erspart dir zwei Stunden im Kurs.
Modul 7: Dokumentenverarbeitung
Modul 7 (Dokumentenverarbeitung, 64 UE) setzt keine technischen Vorkenntnisse voraus. Was hilft, ist Erfahrung mit Dokumenten in deinem Arbeitsalltag: Rechnungen, Verträge, Formulare. Wer weiß, wie eine typische deutsche Eingangsrechnung aufgebaut ist, welche Felder sie enthält und wo die üblichen Stolperstellen liegen, versteht sofort, warum IDP so wertvoll ist.
Optional hilfreich: Ein Azure-Account (kostenlose Variante reicht). Der Account kann schon vor Kursbeginn eingerichtet werden, damit an Tag 2 nicht die Anmelde-Prozedur Zeit frisst.
Modul 8: Chatbots und KI-Agenten
Modul 8 (Chatbots und KI-Agenten, 72 UE) setzt keine spezifischen Vorkenntnisse voraus. Wer schon einmal einen Chatbot als Nutzer erlebt hat (Kundenservice, FAQ-Bot auf einer Webseite), hat einen leichten Vorteil, weil er einen Erwartungsbegriff hat.
Optional hilfreich: Eine kleine Recherche, welche bekannten deutschen Unternehmen Chatbots einsetzen. Keine Pflicht, aber hilfreich für die Diskussionen an Tag 1.
Modul 9: Datenanalyse
Modul 9 (Datenanalyse, 72 UE) ist das Modul, das für manche Teilnehmer am stärksten von Vorkenntnissen profitiert. Wer Datenbanken grundlegend kennt (auch nur konzeptionell) oder SQL schon einmal gesehen hat, ist im Vorteil. Wer Excel auf fortgeschrittenem Niveau bedient (Pivot-Tabellen, SVERWEIS, einfache Formeln), hat ebenfalls Rückenwind.
Optional hilfreich: Zwei Stunden mit einem kostenlosen SQL-Tutorial. Du musst keine komplexen Abfragen lernen, es reicht, SELECT, WHERE und einfache JOINs einmal gesehen zu haben. Dieser Aufwand macht sich in Modul 9 schnell bezahlt.
Modul 10 und 11: Veränderung und Projekte
Modul 10 (Veränderungsmanagement, 40 UE) und Modul 11 (Projektmanagement, 40 UE) setzen keine formalen Vorkenntnisse voraus. Was hilft, ist Lebenserfahrung mit Veränderung. Wer schon einmal in einem Team Veränderungen erlebt oder mitgestaltet hat, kann die Werkzeuge sofort einordnen. Wer bisher nur Stabilität kannte, findet die Themen abstrakt, aber erklärbar.
Optional hilfreich: Eine kurze Auseinandersetzung mit den Begriffen “Scrum” und “Kanban”. Keine Vertiefung nötig, ein Wikipedia-Überblick reicht.
Modul 12: Datenschutz und Compliance
Modul 12 (Datenschutz und Compliance, 32 UE) setzt keine juristischen Vorkenntnisse voraus. Wer schon einmal einen Datenschutzhinweis gelesen hat (realistisch: jeder, der online bestellt hat), ist vorbereitet genug. Die DSGVO wird pragmatisch erklärt, nicht als Jura-Seminar.
Optional hilfreich: Ein Blick auf die offizielle Seite des Bundesbeauftragten für den Datenschutz. Nicht Pflicht, aber gute Orientierung.
Modul 13: Abschlussprojekt
Modul 13 (Abschlussprojekt, 64 UE) ist das einzige Modul, bei dem du vor Kursbeginn nicht direkt vorbereiten musst, weil du schlicht noch keine Ahnung hast, was dein Projekt sein wird. Was du aber tun kannst: in den Wochen vor Kursbeginn deinen eigenen Arbeitsalltag (oder den einer Organisation, die du gut kennst) mit offenen Augen beobachten. Wo stecken Prozesse? Wo wird unnötig Zeit verschwendet? Was würde eine Automatisierung erleichtern?
Wer mit einer Beobachtungsliste in den Kurs geht, hat an Tag 1 von Modul 13 einen konkreten Vorsprung. Das spart Tage.
Weiterführende Artikel
Welche Module am schwersten gelten und warum, behandelt dieser Artikel. Welches Modul am wichtigsten für die Praxis ist, findest du hier. Wie die Module logisch aufeinander aufbauen, erklärt die Modul-Logik-Übersicht.
Einen breiten Blick auf das Curriculum gibt die Ratgeber-Pillar. Die formalen Voraussetzungen für AZAV-Weiterbildungen beschreibt die Bundesagentur für Arbeit. Eine Einschätzung, welche Digitalkompetenzen Unternehmen derzeit nachfragen, liefert die Bitkom.
FAQ zu den Vorkenntnissen
Muss ich vor dem Kurs einen Crashkurs belegen?
Nein. Alles, was der Kurs braucht, wird im Kurs erklärt. Wenn du die optionalen Vorbereitungen aus diesem Artikel umsetzt (insgesamt ein paar Stunden), bist du bestens aufgestellt.
Ist der Kurs für 50-Jährige und ältere zu schwer?
Nein. Das Durchschnittsalter in typischen DigiMan-Kursen liegt über 40. Lernerfolg hängt viel stärker an Motivation und Zeit als am Alter. Ältere Teilnehmer bringen oft Berufserfahrung mit, die ihnen hilft, die Werkzeuge sofort in Kontext zu setzen.
Was, wenn Deutsch nicht meine Muttersprache ist?
B2 ist der realistische Richtwert. Unter B2 wird es in Modul 6 und Modul 12 schnell anstrengend, weil viele Fachbegriffe auftauchen. Viele Anbieter machen vor der Buchung einen informellen Sprach-Check im Beratungsgespräch.
Brauche ich einen Hochschulabschluss?
Nein. Der DigiMan-Kurs ist keine akademische Weiterbildung, sondern eine AZAV-zertifizierte Anpassungsqualifizierung. Ein Berufsabschluss ist hilfreich, aber kein Muss. Viele Absolventen haben ausschließlich eine Berufsausbildung oder Praxiserfahrung.
Kann ich den Kurs mit Bildungsgutschein finanzieren, wenn ich keinen Berufsabschluss habe?
Ja. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III wird auch an Personen ohne Berufsabschluss vergeben, sofern die Agentur für Arbeit die Weiterbildung als notwendig für die berufliche Eingliederung einschätzt. Dein Ansprechpartner ist dein Vermittler bei der Agentur für Arbeit oder im Jobcenter.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.
Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.
Vor der Buchung: die richtigen Fragen stellen
Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, prüfe bei jedem Anbieter, ob das Curriculum wirklich so tief geht, wie es im Marketing klingt. Unser kostenloses PDF “27 Fragen, die du jedem Anbieter stellen solltest” gibt dir eine Checkliste an die Hand, mit der du ein Beratungsgespräch strukturieren kannst.
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