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Weiterbildung Digitalisierungsmanager

Wie die 13 Module im DigiMan-Kurs aufeinander aufbauen

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Diagramm mit den 13 Modulen des DigiMan-Kurses als Lernpfad

Die 13 Module der Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager umfassen zusammen 720 Unterrichtseinheiten (UE) und sind in einer bewussten Reihenfolge angeordnet. Sie bauen in drei großen Blöcken aufeinander auf. Grundlagen (Module 1-3), Werkzeugwelt (Module 4-9) und Umsetzung (Module 10-13). Dieser Artikel erklärt die Logik hinter der Reihenfolge, damit du vor der Buchung verstehst, warum der Kurs genau so strukturiert ist.

In Beratungsgesprächen hören wir oft die Frage, ob man einzelne Module überspringen könne. Die kurze Antwort: Technisch wäre es möglich, didaktisch wäre es ein Fehler. Die lange Antwort liefert dieser Artikel.

Die drei Phasen des Curriculums

Der DigiMan-Kurs ist in drei inhaltliche Phasen gegliedert, die didaktisch aufeinander aufbauen.

PhaseModuleUEKernziel
Grundlagen1-3112Prozessverständnis, Analyse-Handwerk
Werkzeugwelt4-9432KI-Grundlagen, Tools, Anwendungen
Umsetzung10-13176Change, Projektmanagement, Compliance, Abschlussprojekt

Die erste Phase legt das Denk-Fundament. Die zweite Phase liefert die Werkzeuge. Die dritte Phase zeigt, wie man alles zu einem realen Vorhaben zusammenführt. Ohne Phase 1 wären die Werkzeuge in Phase 2 nicht einzuordnen. Ohne Phase 3 wären die Werkzeuge in Phase 2 nur isolierte Tools.

Der Aufbau der Grundlagen-Module

Modul 1 (Digitale Geschäftsprozesse und Organisationsstrukturen, 32 UE) führt den Prozessbegriff ein und zeigt, wie Organisationsformen die Digitalisierung beeinflussen. Ohne diesen Rahmen wären spätere Tool-Einsätze blind. Modul 1 ist die einzige Voraussetzung für alle folgenden Module.

Modul 2 (Prozessaufnahme und Modellierung, 40 UE) bringt das handwerkliche Kern-Werkzeug: Interviews, BPMN-Notation, Wertstromanalyse. Ohne sauber modellierte Prozesse ist keine seriöse Analyse möglich.

Modul 3 (Prozessanalyse und Effizienzsteigerung, 40 UE) nimmt die Modelle aus Modul 2 und analysiert sie mit Pareto, Ishikawa, KPIs und Reifegradmodellen. Am Ende steht eine priorisierte Verbesserungs-Roadmap. Das ist exakt der Denkrahmen, mit dem du später in Modul 13 dein Abschlussprojekt strukturieren wirst.

Wer die Module 1-3 überspringt oder oberflächlich bearbeitet, merkt das spätestens in Modul 13. Fast alle Probleme im Abschlussprojekt lassen sich auf Schwächen in der Prozessanalyse zurückführen.

Die Werkzeugwelt von Modul 4 bis 9

Modul 4 (Einführung in Prozessautomatisierung mit KI, 56 UE) ist die Brücke. Es erklärt, was KI wirklich ist, wie Maschinen lernen, was RPA, NLP und Computer Vision leisten können. Modul 4 ordnet die folgenden Werkzeug-Module ein und liefert den Bewertungsrahmen (ROI, Hyperautomation, Ethik).

Modul 5 (Werkzeuge für Automatisierung, 88 UE) ist mit 88 UE das größte Modul im Curriculum. Hier lernst du No-Code-Plattformen, Claude Code und OpenClaw praktisch zu nutzen. Ohne Modul 5 wären alle folgenden Anwendungs-Module theoretisch. Mit Modul 5 hast du die Werkzeuge in der Hand, um die folgenden Module umzusetzen.

Modul 6 (Große Sprachmodelle, 80 UE) vertieft LLMs systematisch: Architektur, Modellvergleich, Prompt Engineering, RAG, API-Integration, Ethik. Das ist der zweite große Block des Curriculums.

Modul 7 (Dokumentenverarbeitung, 64 UE) und Modul 8 (Chatbots und KI-Agenten, 72 UE) sind die beiden großen Anwendungsfelder, die parallel zueinander stehen. Modul 9 (Datenanalyse, 72 UE) ergänzt die Werkzeugwelt um den Datenblick mit SQL, Metabase und No-Code-ML. Alle drei Module nutzen Werkzeuge aus Modul 5 und LLMs aus Modul 6.

Die Werkzeugwelt ist mit 432 UE der zeitliche Kern des Kurses. Sie nimmt rund 60 Prozent der Gesamt-UE ein. Das ist kein Zufall: Der praktische Werkzeugeinsatz ist der zentrale Arbeitsmarkt-Nutzen der Weiterbildung.

Wie die Umsetzungs-Module alles zusammenführen

Modul 10 (Veränderungsmanagement, 40 UE) und Modul 11 (Projektmanagement, 40 UE) bringen die nicht-technische Dimension. Beide sind bewusst in der Endphase platziert, weil sie nur dann Wert haben, wenn du bereits verstanden hast, was du umsetzen willst. Change-Management ohne konkretes Vorhaben bleibt Theorie. Projektmanagement ohne Ziel ist Bürokratie.

Modul 12 (Datenschutz, Sicherheit, Compliance, 32 UE) setzt den rechtlichen und sicherheitstechnischen Rahmen. Auch hier gilt: Erst wenn du verstanden hast, was du technisch tun willst, bekommst du ein Gefühl dafür, welche rechtlichen Pflichten das auslöst. DSGVO, DSFA und EU AI Act werden nicht abstrakt behandelt, sondern anhand konkreter Werkzeug-Szenarien.

Modul 13 (Abschlussprojekt, 64 UE) ist das integrative Modul. Du wählst ein eigenes Projekt und nutzt Wissen aus allen vorherigen Modulen: Prozessanalyse aus Modul 2-3, Werkzeuge aus Modul 5-9, Change und Projektmanagement aus Modul 10-11, Compliance aus Modul 12. Modul 13 ist keine Wiederholung, es ist die Probe aufs Exempel.

Eng gekoppelte Modulpaare

Manche Modulpaare sind so eng verbunden, dass sie zusammen betrachtet werden sollten.

  • Modul 1 und 2: Prozessbegriff und Prozessmodellierung. Ohne den einen verstehst du den anderen nicht.
  • Modul 2 und 3: Modellierung und Analyse. Beide nutzen VSM, BPMN und dieselben Fallbeispiele.
  • Modul 4 und 5: KI-Grundlagen und Werkzeuge. Modul 4 ordnet ein, Modul 5 setzt um.
  • Modul 5 und 6: Werkzeuge und LLMs. n8n plus LLM ergibt erst zusammen die praktische Schlagkraft.
  • Modul 6 und 7: LLMs und Dokumentenverarbeitung. IDP ohne LLM-Verständnis bleibt oberflächlich.
  • Modul 10 und 11: Change und Projektmanagement. Zwei Seiten derselben Münze in jedem Digitalisierungsvorhaben.
  • Modul 12 und 13: Compliance und Abschlussprojekt. Jedes Projekt muss die Compliance-Kriterien erfüllen.

Wer diese Paare gedanklich als Einheiten betrachtet, versteht den Kurs besser.

Warum Modul 5 das längste Modul ist

Modul 5 hat 88 UE und ist damit größer als jedes andere Modul. Der Grund liegt im praktischen Fokus: Werkzeuge werden nur durch Wiederholung sicher. Du lernst nicht nur drei No-Code-Plattformen kennen, sondern baust selbst Workflows, lernst Claude Code im Terminal und experimentierst mit OpenClaw als Desktop-Agent. Jede dieser Werkzeug-Familien bekommt zwei bis drei Tage, weil weniger nicht reicht.

Mehr zu Modul 5 findest du im ausführlichen Artikel Modul 5 im DigiMan-Kurs. Die Fortsetzung in Modul 6 behandelt dann die LLM-Welt systematisch, siehe den Modul-6-Artikel.

Module, die man theoretisch überspringen könnte

Theoretisch keine. Praktisch gibt es Module, bei denen Vorkenntnisse stark helfen:

  • Wer aus dem Projektmanagement kommt, findet Modul 11 in Teilen bekannt. Das ist in Ordnung, die agilen und hybriden Elemente sind trotzdem oft neu.
  • Wer IT-Erfahrung hat, kennt manche Teile von Modul 9 (SQL-Grundlagen). Die Kombination mit n8n ETL ist trotzdem meist neu.
  • Wer Erfahrung mit Zapier oder Make hat, ist in Modul 5 Tag 1 und 2 im Warm-up. Die folgenden Tage zu n8n, Claude Code und OpenClaw sind trotzdem fast immer neu.

Kein einziges der 13 Module ist für jemanden ohne einschlägige Vorerfahrung überflüssig. Das ist der Punkt: Der Kurs ist für Quereinsteiger konzipiert und nimmt sie bewusst an der Hand.

Weiterführende Artikel

Wer wissen will, welches Modul am schwersten gilt, findet eine ehrliche Einordnung. Welches Modul für die berufliche Praxis am wichtigsten ist, behandelt dieser Artikel. Welche Vorkenntnisse jedes Modul realistisch voraussetzt, klärt der Vorkenntnis-Artikel.

Für einen breiten Blick auf das Curriculum und das Berufsbild ist die Ratgeber-Pillar der beste Einstieg. Eine offizielle Übersicht zu Förderbedingungen und AZAV-Anforderungen bietet die Bundesagentur für Arbeit. Eine aktuelle Studie zu Digitalkompetenzen und Arbeitsmarkt-Nachfrage liefert regelmäßig die Bitkom.

FAQ zur Modul-Logik

Kann ich in der Mitte des Kurses einsteigen?

Nein. Der Kurs ist als durchgängiger 720-UE-Block konzipiert, nicht als modulare Weiterbildung. Ein späterer Einstieg würde die aufeinander aufbauenden Module unterbrechen.

Warum kommen Change und Projektmanagement so spät?

Weil sie ohne konkreten Anwendungsbezug theoretisch bleiben. Nach den Werkzeug-Modulen weißt du, was du umsetzen könntest. Jetzt lohnt es sich, über die soziale und strukturelle Seite nachzudenken.

Ist Modul 13 eine Prüfung?

Modul 13 ist ein Abschlussprojekt mit Präsentation, keine klassische Prüfung. Bewertet wird das Gesamtbild aus Dokumentation, Umsetzung und Vortrag.

Welches Modul ist für Quereinsteiger am wichtigsten?

Modul 5, weil es den praktischen Kern bildet, und Modul 13, weil es den Nachweis liefert, dass man es kann. Ohne diese beiden Module bleibt der Kurs ein theoretisches Update. Mit ihnen wird er zu einem berufsqualifizierenden Programm.

Kann ich den gesamten Kurs mit Bildungsgutschein finanzieren?

Ja. Der gesamte DigiMan-Kurs ist nach § 81 SGB III zu 100 Prozent über Bildungsgutschein förderbar. Voraussetzung: AZAV-zertifizierter Träger. Ohne Förderung 9.662,40 Euro, mit Bildungsgutschein 0 Euro.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.

Vor der Buchung: die richtigen Fragen stellen

Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, prüfe bei jedem Anbieter, ob das Curriculum wirklich so tief geht, wie es im Marketing klingt. Unser kostenloses PDF “27 Fragen, die du jedem Anbieter stellen solltest” gibt dir eine Checkliste an die Hand, mit der du ein Beratungsgespräch strukturieren kannst.

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