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Weiterbildung Digitalisierungsmanager

Projekt aus dem eigenen Alltag finden: Zehn Ansatzpunkte

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Person mit Notizbuch in der eigenen Küche bei der Projektplanung

Ein Projekt aus dem eigenen Alltag findest du, wenn du systematisch zehn Lebensbereiche durchgehst und in jedem nach wiederkehrenden Aufgaben suchst. Nicht nach spannenden Projekten, sondern nach langweiligen Abläufen. Genau die langweiligen Abläufe sind die besten Kandidaten für eine Automatisierung, weil sie regelmäßig auftreten und klar definiert sind. Dieser Ratgeber führt dich durch die zehn Bereiche, in denen sich der Blick lohnt.

In meinen Kursen stelle ich am zweiten Tag immer dieselbe Frage: “Welche Aufgabe macht ihr mindestens dreimal pro Woche und nervt euch jedes Mal?” Die Antworten sind fast immer der Startpunkt für das erste Portfolio-Projekt. Wer diese Frage nicht sich selbst stellt, sucht an der falschen Stelle.

Der eigene Alltag als Projektquelle

Der eigene Alltag hat gegenüber fremden Themen klare Vorteile. Du kennst die Details, ohne recherchieren zu müssen. Du weißt, wo die echten Schmerzpunkte liegen, nicht nur die offiziellen. Und du kannst das Ergebnis selbst einschätzen, weil du der Anwender bist.

Ein Projekt aus deinem Alltag ist automatisch glaubwürdig. Wer im Portfolio schreibt “Ich habe meine eigene Belegverwaltung automatisiert”, zeigt mehr Authentizität als wer schreibt “Ich habe eine Demo-Automatisierung gebaut, die keiner benutzt”. Personaler spüren den Unterschied.

Zehn Lebensbereiche, die den Blick lohnen

#BereichTypische Aufgaben
1Finanzen & BelegeBelege sammeln, sortieren, einreichen
2E-Mail & KommunikationSortieren, Antworten vorbereiten, Archiv
3Kalender & TermineErinnerungen, Bestätigungen, Nachbereitung
4NebentätigkeitRechnungen, Kundenliste, Reporting
5Verein & EhrenamtMitglieder, Beiträge, Veranstaltungen
6Eigene WeiterbildungLernmaterial sortieren, Notizen verwalten
7Hobbys mit DatenSportlogbuch, Sammlung, Leseliste
8Familie & HaushaltEinkaufsliste, Vorräte, Termine
9Beruflicher AlltagRoutinearbeit, die sich wiederholt
10Bewerbung & KarriereStellen verfolgen, Anschreiben pflegen

Nicht jeder Bereich passt für jeden. Aber mindestens drei von zehn haben in der Regel einen klaren Kandidaten, sobald du genau hinschaust.

Bereich 1 bis 3: Die häufigsten Einstiege

Die ersten drei Bereiche sind die produktivsten Suchräume. Fast jeder Teilnehmer findet hier innerhalb von 30 Minuten eine Idee.

Finanzen und Belege: Rechnungen aus dem E-Mail-Postfach extrahieren, in eine Tabelle übertragen und an die Steuerberaterin weiterleiten. Dieses Projekt ist einer der Klassiker, weil es so verbreitet ist. Moduln 5 und 7 aus dem DigiMan-Kurs liefern die passenden Werkzeuge.

E-Mail und Kommunikation: Automatische Vorsortierung nach Kategorien. Newsletter in ein Archiv, Bewerbungen in einen Ordner, Werbung gelöscht. Mit einem Sprachmodell als Filter entsteht aus einer einfachen Aufgabe ein lernendes System. Modul 6 liefert die Grundlagen.

Kalender und Termine: Automatische Termin-Erinnerungen mit Anpassung an die jeweilige Zielgruppe. Eine Erinnerung an eine Geschäftsbesprechung sieht anders aus als eine an einen privaten Termin. Modul 5 bietet die No-Code-Grundlagen.

Bereich 4 bis 7: Nischen mit klaren Gewinnern

Wer in den ersten drei Bereichen nichts findet, schaut in die nächsten vier.

Nebentätigkeit: Wer einen kleinen Nebenerwerb hat (Beratung, Kurse, Handwerk, Verkauf), hat automatisch eine Menge Routinearbeit. Rechnungen schreiben, Kundenliste pflegen, Reporting an das Finanzamt vorbereiten. Jeder dieser Schritte ist ein Kandidat.

Verein und Ehrenamt: Vereine sind notorisch schlecht digitalisiert. Wer dort eine Automatisierung einführt, hilft realen Menschen und bekommt ein Portfolio-Stück mit echtem Nutzen. Details findest du im Artikel Pro-bono-Projekte für NGOs.

Eigene Weiterbildung: Während der DigiMan-Kurs läuft, sammelst du Notizen, Folien, Übungen und Code-Schnipsel. Eine eigene Wissensverwaltung (Tagging, Suchfunktion, automatische Zusammenfassung) ist ein Meta-Projekt, das deine eigene Lernkurve verbessert.

Hobbys mit Daten: Jedes Hobby, das regelmäßig Daten produziert, ist ein Kandidat. Sport mit Trainings-Log, Lesen mit Leseliste, Fotografie mit Metadaten. Auch kleine Hobby-Projekte zählen, wenn sie technisch sauber sind.

Bereich 8 bis 10: Die unterschätzten Kandidaten

Die letzten drei Bereiche sind oft vergessen, liefern aber überraschend gute Ideen.

Familie und Haushalt: Einkaufsliste, Vorratsverwaltung, geteilte Familientermine. Ein Projekt, das den Haushalt besser organisiert, hat einen sofort verständlichen Nutzen für jede andere Familie.

Beruflicher Alltag: Wenn du aus einem Bürojob kommst, kennst du Routinearbeit, die dich täglich Zeit kostet. Auch wenn du dort nicht mehr arbeitest, kannst du die Erfahrung in ein hypothetisches Beispiel übertragen. Wichtig ist nur, dass du sie klar beschreiben und technisch umsetzen kannst.

Bewerbung und Karriere: Dein eigener Bewerbungsprozess ist automatisierbar. Stellen aus verschiedenen Portalen sammeln, Bewerbungsstand verfolgen, Erinnerungen für Nachfragen. Dieses Projekt hat einen Bonus: Du nutzt es selbst während der Jobsuche.

Kandidaten bewerten

Vier Fragen helfen, aus mehreren Ideen die beste auszuwählen.

  • Kann ich das Problem in zwei Sätzen beschreiben?
  • Habe ich mindestens einen konkreten Fall vor Augen?
  • Kann ich das Ergebnis in zwei Wochen zeigen?
  • Verletze ich keine Datenschutz-Regeln?

Wer alle vier Fragen mit Ja beantwortet, hat einen starken Kandidaten. Wer bei einer Frage zögert, wählt einen anderen.

Details zur Bewertung und zum Start findest du im Artikel Erste Projekt-Idee: wie du startest. Welche Use-Cases besonders stark wirken, beschreibt der Ratgeber Welche Use-Cases sich besonders eignen. Für den Gesamtrahmen der Weiterbildung lies die Ratgeber-Pillar zum Berufsbild.

Eine konkrete Übersicht zu wiederkehrenden Arbeitsprozessen im deutschen Berufsalltag bietet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur. Zu Digitalisierung in kleinen Betrieben lohnt sich der Bitkom-Leitfaden für kleine Unternehmen.

FAQ zu Alltags-Projekten

Was, wenn mein Alltag wirklich keinen passenden Kandidaten liefert?

Dann schaust du in den Freundeskreis. Jeder kennt Menschen mit kleinen Betrieben, Vereinen oder Nebentätigkeiten. Drei Sätze reichen, um ein Angebot zu machen.

Darf ich ein Projekt aus meinem alten Job nutzen?

Ja, aber nur wenn du alle Daten vollständig anonymisierst und keine vertraulichen Informationen preisgibst. Im Zweifel lieber ein neues Beispiel bauen.

Wie groß darf das Alltags-Projekt sein?

Für das erste Projekt: klein. Zwei Wochen Arbeitszeit sind das Maximum. Für spätere Projekte kannst du größer werden.

Zählt ein Alltags-Projekt weniger als ein Business-Projekt?

Nein, wenn es sauber dokumentiert ist. Personaler schauen auf die Dokumentation, nicht auf die Branche. Ein gut beschriebenes Alltags-Projekt schlägt ein schlecht beschriebenes Business-Projekt.

Kann ich mehrere Alltags-Projekte kombinieren?

Ja, ab dem zweiten Projekt. Ein Portfolio mit drei Alltags-Projekten aus verschiedenen Bereichen wirkt stärker als eins mit drei Variationen desselben Themas.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.

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