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Weiterbildung Digitalisierungsmanager

Projekte für Freunde und Familie als Übung: Wie du startest

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Zwei Menschen besprechen ein Projekt am Küchentisch mit Laptop

Freunde und Familie sind die besten ersten Kunden für deine Portfolio-Projekte. Sie haben kleine, echte Probleme, die sich gut mit den Werkzeugen aus dem DigiMan-Kurs lösen lassen. Und sie drücken ein Auge zu, wenn etwas nicht auf Anhieb perfekt funktioniert. In diesem Ratgeber zeigen wir, wie du solche Übungsprojekte findest, abgrenzt und sauber für dein Portfolio aufbereitest.

Aus meiner Beratungspraxis weiß ich, dass der Einstieg über den Freundeskreis der unterschätzteste Weg ist. Teilnehmer zögern, weil sie Angst haben, unprofessionell zu wirken. Tatsächlich ist der Freundeskreis der sicherste Ort, um eigene Arbeitsweisen zu testen, bevor sie auf echte Kunden losgelassen werden.

Freunde und Familie als erste Kunden

Der Druck ist niedrig: Wenn etwas nicht funktioniert, gibt es keine Reputation zu verlieren. Das Feedback ist ehrlich, weil Freunde dir sagen, was sie wirklich denken, während fremde Kunden oft höflich bleiben. Und die Rückmeldung kommt schnell, du kannst jederzeit nachfragen, ohne Termine vereinbaren zu müssen.

Der wichtigste Effekt ist aber ein anderer. Du lernst, wie sich echte Anwender verhalten. Sie klicken Dinge nicht so, wie du es geplant hast. Sie stellen Fragen, die du nicht erwartet hast. Sie übersehen Funktionen, die du wichtig fandest. Das ist keine Schwäche, sondern die Lernerfahrung, die dich zum Digitalisierungsmanager macht.

Ein passendes Projekt im Freundeskreis finden

Die Frage, die du stellen solltest, ist nicht “Willst du Hilfe bei der Digitalisierung?”. Die Frage ist konkreter: “Welche Aufgabe machst du mindestens einmal pro Woche und nervt dich jedes Mal?”.

Typische Antworten aus Kurssituationen:

  • Die Buchhaltung für einen Nebenerwerb
  • Die Mitgliederliste eines Vereins
  • Die Rechnungen für den eigenen kleinen Shop
  • Die Termine bei einer Heilpraktikerin oder einem Physiotherapeuten
  • Die Veranstaltungsplanung einer Hobby-Gruppe
  • Die Dokumentation eines Handwerksbetriebs
  • Das Lager-Management einer kleinen Manufaktur

Die meisten dieser Aufgaben sind für den Betroffenen selbst unsichtbar, weil sie längst zur Routine gehören. Wer die richtige Frage stellt, öffnet eine Tür.

Das Projekt abgrenzen

Die Gefahr bei Projekten im Freundeskreis: Sie wachsen. Eine kleine Aufgabe wird zu einem mehrmonatigen Projekt, weil dein Kontakt immer neue Wünsche hat. Deshalb gilt die Regel der Zwei-Wochen-Abgrenzung. Jedes Übungsprojekt hat ein Enddatum nach zwei Wochen.

Schreibe die Aufgabe auf. Ein Absatz reicht. Sobald beide Seiten denselben Text unterschreiben oder einfach zustimmen, ist der Rahmen klar.

Definiere die Grenzen. Was ist drin, was nicht. Beispiel: “Automatische Sortierung eingehender Rechnungen in einen Ordner, inklusive Benachrichtigung. Nicht enthalten: buchhalterische Bewertung, Verknüpfung mit der Steuersoftware.”

Vereinbare ein Enddatum. Nach zwei Wochen ist das Projekt abgeschlossen oder wird in eine zweite Phase verschoben. Die zweite Phase ist dann ein eigenes Projekt mit eigenem Rahmen.

Typischer Ablauf

Der Ablauf folgt dem Muster, das du in Modul 13 der Weiterbildung (Abschlussprojekt) ohnehin lernst. Für Übungsprojekte im Freundeskreis reicht eine vereinfachte Version.

PhaseDauerWas passiert
Gespräch1 StundeProblem klären, Rahmen definieren
Entwurf2 bis 3 StundenWerkzeug-Wahl, erste Skizze
Umsetzung1 WocheBauen, testen, anpassen
Übergabe30 MinutenEinweisung, erste Nutzung
Nachbetreuung2 TageKleine Fehler korrigieren

Nach zwei Wochen ist das Projekt abgeschlossen, und du dokumentierst es sauber für das Portfolio. Details zur Dokumentation findest du im Artikel Praxisprojekte richtig dokumentieren.

Geld für das Projekt

Grundsätzlich nein. Übungsprojekte im Freundeskreis sollten unentgeltlich sein. Sobald Geld fließt, ändern sich die Erwartungen, und das ist für den Lernzweck meist hinderlich. Wenn dein Kontakt darauf besteht, dir etwas zu geben, ist ein symbolisches Dankeschön (Essen einladen, kleine Gegenleistung) angemessen.

Achtung bei gewerblichen Fragen: Wenn du regelmäßig Geld für solche Tätigkeiten nimmst, kannst du damit gewerblich tätig werden. Details regelt das Gewerberecht nach §14 GewO. Für einzelne, unentgeltliche Übungsprojekte ist das nicht relevant. Bei Unsicherheit lohnt ein Blick auf die Informationen des Bundesministeriums für Wirtschaft zu Kleingewerbe und Selbstständigkeit.

Aus dem Projekt ein Portfolio-Stück machen

Portfoliofähig wird das Projekt, wenn drei Dinge stimmen. Anonymisierung: Auch Freunde und Familie müssen vor der Veröffentlichung zustimmen, und echte Namen gehören nur mit Einwilligung ins Portfolio. Ehrliche Ergebnisse: Wenn das Projekt nach drei Tagen nicht mehr genutzt wurde, schreibst du das auf. Saubere Darstellung: Screenshots, Bildunterschriften, Vorher-Nachher-Vergleich.

Details zur Anonymisierung findest du im Ratgeber Code teilen oder nicht: Datenschutz im Portfolio. Wer gleichzeitig überlegt, ob ein Pro-bono-Projekt für eine NGO Sinn ergibt, findet im Artikel Pro-bono-Projekte für NGOs die Abwägung.

Einen Gesamtüberblick über die 13 Module der Weiterbildung gibt die Ratgeber-Pillar zum Berufsbild. Ein praxisorientierter Einstieg in Projektmanagement bietet das Projektmanagement-Glossar der GPM, das auch für kleine Projekte brauchbare Hinweise enthält.

Wenn das Projekt scheitert

Ein Projekt scheitert nicht dramatisch, wenn es im Freundeskreis läuft. Es verpufft eher: Der Freund nutzt die Lösung nicht, die Familie vergisst sie, die Kollegin bedankt sich höflich und macht es weiter manuell. Das ist alltäglich und kein Grund zur Scham.

Für das Portfolio ist selbst ein verpufftes Projekt wertvoll, wenn du es ehrlich dokumentierst: Was war die Idee, wie hast du sie umgesetzt, warum wurde sie nicht angenommen, was würdest du anders machen. Diese Art von Reflexion unterscheidet echte Projekt-Erfahrung von geschönten Marketing-Cases.

FAQ zu Projekten für Freunde und Familie

Darf ich ein Projekt ablehnen, das mir zu groß erscheint?

Ja, immer. Ein zu großes Projekt verursacht mehr Stress als Lernwert. Biete eine kleinere Teil-Aufgabe an oder verweise höflich auf jemand anderen.

Was, wenn mein Kontakt mit dem Ergebnis unzufrieden ist?

Sprich offen darüber. Frag nach, was konkret nicht passt. Entweder korrigierst du den Punkt, oder ihr beendet das Projekt in gegenseitigem Einverständnis. Kein Projekt um jeden Preis durchziehen.

Wie gehe ich mit Erwartungen um, die über das Geplante hinausgehen?

Du verweist auf den ursprünglich vereinbarten Rahmen und bietest eine zweite Phase als eigenes Projekt an. Zwei kleine Projekte sind besser als ein großes, das nie fertig wird.

Darf ich denselben Freund für zwei Übungsprojekte nutzen?

Ja, wenn beide Seiten wollen. Zwei unterschiedliche Aufgaben aus demselben Umfeld sind sogar ein Vorteil, weil du im Portfolio zeigen kannst, wie du verschiedene Werkzeuge im selben Kontext einsetzt.

Brauche ich eine schriftliche Vereinbarung?

Nein, für unentgeltliche Übungsprojekte reicht eine einfache E-Mail mit dem vereinbarten Rahmen. Schriftform schadet aber nicht, besonders wenn es um Datenverarbeitung geht.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.

Erste Projektidee im Schnupperkurs sammeln

Bevor du Freunde ansprichst, lohnt sich ein Probelauf im kostenlosen Schnupperkurs. Dort baust du dein erstes Mini-Projekt ohne echten Kunden und bekommst ein Gefühl für den Ablauf. Danach fällt dir der Einstieg im Freundeskreis deutlich leichter.

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