Welche Use-Cases sich besonders für dein Portfolio eignen
Die besten Use-Cases für ein Portfolio als Digitalisierungsmanager teilen drei Merkmale. Sie lösen ein konkretes Problem, sie sind mit Werkzeugen aus dem Kurs umsetzbar und sie haben messbare Ergebnisse. In der Praxis funktionieren fünf Kategorien besonders gut: Rechnungseingang automatisieren, E-Mail-Vorsortierung, Kunden-Erinnerungen, Datenanalyse mit Vorher-Nachher-Vergleich und Chatbots für Routinefragen. Dieser Ratgeber zeigt, warum genau diese Kategorien so stark wirken.
Aus der Beratungspraxis wissen wir: Teilnehmer wählen oft Use-Cases, die sich in der Theorie spannend anhören, in der Praxis aber schwer dokumentierbar sind. Ein Use-Case, der beim ersten Leser sofort verständlich ist, schlägt jede exotische Idee.
Alltags-Use-Cases schlagen Ausnahmefälle
Personaler lesen Portfolios schnell. Wer ein Beispiel aus dem Alltag zeigt, trifft sofort einen Punkt, den der Leser selbst kennt. Wer ein exotisches Beispiel bringt wie “Satellitenbilder analysieren”, zwingt den Leser erst zum Verstehen des Problems. Das kostet Geduld. Und Geduld ist im Bewerbungsprozess knapp.
Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager umfasst 720 Unterrichtseinheiten und 13 Module, die sich fast alle auf Alltags-Use-Cases beziehen. Das ist kein Zufall. Der Arbeitsmarkt sucht Menschen, die in normalen Büroprozessen Verbesserungen anstoßen können, nicht Menschen, die Sonderprojekte umsetzen.
Fünf Kategorien, die im Portfolio funktionieren
| Use-Case | Stärke | Werkzeuge aus dem Kurs |
|---|---|---|
| Rechnungseingang automatisieren | Klar messbar | Modul 7 (OCR), Modul 5 (n8n) |
| E-Mail-Vorsortierung | Alltagsbezug | Modul 6 (LLM), Modul 5 (Workflows) |
| Kunden-Erinnerungen | Direkter Nutzen | Modul 5 (No-Code-Automatisierung) |
| Datenanalyse mit Vergleich | Visuell stark | Modul 9 (Datenanalyse) |
| Chatbot für Routinefragen | Zukunftsthema | Modul 8 (Chatbots) |
Alle fünf sind mit Werkzeugen aus dem Kurs realisierbar und haben eine klare Messbarkeit. Wer einen dieser Use-Cases baut, hat automatisch ein portfoliofähiges Ergebnis, solange die Dokumentation sauber ist.
Use-Case 1: Rechnungseingang automatisieren
Der Klassiker unter den Einsteigsprojekten. Eine Rechnung kommt per E-Mail oder Post, wird ausgelesen, in eine Tabelle übertragen und dann an die Buchhaltung weitergeleitet. Das klingt einfach, enthält aber alles, was Personaler sehen wollen: strukturierte Daten, Datenfluss zwischen Systemen, Fehlerbehandlung.
Modul 7 des DigiMan-Kurses behandelt Dokumentenverarbeitung und Datenextraktion. Dort lernst du OCR-Werkzeuge kennen, die PDF-Rechnungen automatisch auslesen. Modul 5 liefert die No-Code-Werkzeuge, mit denen du den Workflow drumherum baust.
Die Messbarkeit ist stark: Wie viele Rechnungen pro Woche, wie viel Zeit pro Rechnung vor und nach der Automatisierung, wie viele Fehler vorher und nachher. Details zur Dokumentation findest du im Artikel Praxisprojekte richtig dokumentieren.
Use-Case 2: E-Mail-Vorsortierung mit KI
Ein moderner Use-Case, der Sprachmodelle einbezieht. Eingehende E-Mails werden automatisch kategorisiert (Anfrage, Beschwerde, Bewerbung, Newsletter) und in passende Ordner sortiert. Für Freiberufler und kleine Unternehmen ist das eine spürbare Entlastung.
Die Herausforderung liegt im Prompt-Engineering. Ein zu vages Kategorien-Schema sortiert schlecht, ein zu enges Schema verliert Grenzfälle. Wer diesen Use-Case baut, lernt die Grundlagen von Prompt-Engineering in der Praxis.
Modul 6 des DigiMan-Kurses behandelt Sprachmodelle und Prompting. Modul 5 liefert die Integration mit E-Mail-Systemen über No-Code-Werkzeuge. Für einen vertiefenden Einstieg in Chatbot-Konzepte lies den Ratgeber Chatbot-Konzepte ohne Programmierung verstehen.
Use-Case 3: Kunden- oder Patienten-Erinnerungen
Eine Arztpraxis, eine Physiotherapie oder ein Beratungsbüro muss regelmäßig Termine bestätigen und Folgetermine planen. Das passiert oft manuell, per Telefon oder in einem Buchungssystem. Eine Automatisierung übernimmt das und spart täglich spürbar Zeit.
Dieser Use-Case ist besonders stark, weil er unmittelbar verständlich ist. Jeder kennt Termin-Erinnerungen. Der Leser sieht sofort den Nutzen. Technisch ist die Umsetzung mit No-Code-Werkzeugen gut machbar, und die Ergebnisse sind klar messbar (Anzahl abgeschickter Erinnerungen, Anzahl nicht wahrgenommener Termine vorher/nachher).
Wichtig bei diesem Use-Case: DSGVO-Prüfung. Kundendaten verarbeitet werden automatisch personenbezogen. Der Artikel Code teilen oder nicht: Datenschutz im Portfolio erklärt die Regeln.
Use-Case 4: Datenanalyse mit Vorher-Nachher-Vergleich
Ein Datensatz, eine Fragestellung, eine Visualisierung, eine Empfehlung. Das ist das Grundmuster. Besonders stark wird dieser Use-Case, wenn du einen Vorher-Nachher-Vergleich einbauen kannst: Wie war die Entscheidungsgrundlage vorher, wie ist sie nach der Analyse.
Modul 9 des DigiMan-Kurses behandelt Datenanalyse und Entscheidungsunterstützung. Du lernst, wie du Daten aufbereitest, visualisierst und in eine Empfehlung überführst. Der Use-Case eignet sich besonders, wenn du einen echten Datensatz aus deinem Alltag hast (etwa aus einem Verein, einer Nebentätigkeit oder öffentlich zugänglichen Quellen).
Details zu diesem Case-Typ findest du im Artikel Datenanalyse als Portfolio-Stück.
Use-Case 5: Chatbot für Routinefragen
Ein einfacher Chatbot, der Routinefragen für ein kleines Unternehmen beantwortet. Öffnungszeiten, Preise, Terminanfragen. Der Bot entlastet Mitarbeiter und gibt dem Kunden sofort eine Antwort.
Modul 8 des DigiMan-Kurses behandelt Chatbots und KI-Agenten. Die Umsetzung ist ohne Programmierung möglich, über No-Code-Plattformen oder einfache Integrationen. Wer einen Chatbot für ein konkretes Unternehmen baut (Freund, Familie, Verein), hat ein Portfolio-Stück mit klarem Anwendungsfall. Details dazu im Artikel Einen Chatbot für ein konkretes Unternehmen entwickeln.
Use-Cases, die oft durchfallen
Drei Kategorien tauchen in Portfolios oft auf, wirken aber schwächer als die Top 5. KI-Bildgenerierung ist eindrucksvoll, hat aber selten einen klaren Geschäftsbezug. Blog-Artikel schreiben lassen ist mittlerweile zu häufig gesehen und gibt keine Unterscheidungskraft. Reine Übungsaufgaben aus dem Kurs wirken generisch, weil der eigene Anwendungsfall fehlt.
Das heißt nicht, dass diese Use-Cases grundsätzlich schlecht sind. In der Praxis scheitern sie aber häufiger am Personaler, weil der direkte Nutzen-Nachweis fehlt. Wer aus dieser Ecke startet, braucht einen besonders gut dokumentierten Kontext, sonst liest der Personaler zwei Zeilen weiter. Details zur Auswahlstrategie findest du in der Ratgeber-Pillar zum Berufsbild.
Eine praxisnahe Übersicht zu Automatisierung im Mittelstand bietet der Bitkom-Leitfaden zur Digitalisierung. Zu Datenschutz und KI-Einsatz lohnt sich ein Blick auf die KI-Verordnung auf EUR-Lex.
FAQ zu Use-Cases im Portfolio
Kann ich mehrere Use-Cases im selben Projekt kombinieren?
Ja, aber erst ab dem zweiten oder dritten Projekt. Das erste Projekt sollte einen Use-Case sauber umsetzen. Kombinationen sind fortgeschrittene Aufgaben.
Wie finde ich einen Use-Case, den es noch nicht gibt?
Gar nicht. Originalität ist kein Kriterium. Ein bewährter Use-Case in einem neuen Kontext ist stärker als ein origineller Use-Case ohne Anwendung.
Muss der Use-Case aus meiner Branche stammen?
Nein. Wenn du aus dem Handwerk kommst, darfst du einen Use-Case aus der Arztpraxis zeigen. Die Übertragung auf andere Branchen ist sogar ein Stärke-Signal.
Wie lang sollte ein einzelner Use-Case im Portfolio sein?
Zwischen 500 und 800 Wörtern plus zwei bis vier Screenshots. Kürzer wirkt oberflächlich, länger schreckt ab.
Darf ich denselben Use-Case in mehreren Varianten zeigen?
Ja, wenn jede Variante eigene Erkenntnisse bringt. Zwei Varianten desselben Chatbots für unterschiedliche Branchen sind legitim, solange der Unterschied klar wird.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.
Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.
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