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Weiterbildung Digitalisierungsmanager

Was passiert, wenn du im Kurs nicht mitkommst

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Mensch sitzt vor einem Laptop und macht eine Pause, hält sich nachdenklich die Stirn

Wenn du in der Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager nicht mehr mitkommst, hast du mehrere Optionen, lange bevor ein Abbruch in Frage kommt. Du kannst Aufzeichnungen nutzen, Tutoren ansprechen, Lernpartner suchen, Module wiederholen oder im Forum nachfragen. In den allermeisten Fällen reicht das. Wer aktiv um Hilfe bittet, kommt zurück. Wer Probleme verschweigt, riskiert den Abbruch.

In der Beratungspraxis sehe ich, dass der häufigste Grund für Aussteiger nicht Überforderung ist, sondern Schweigen. Wer früh sagt, dass er hängt, bekommt Hilfe.

Typische Hänger-Phasen über die vier Monate

Über die vier Monate verteilt gibt es drei Phasen, in denen viele Teilnehmer ins Wanken kommen:

PhaseWannTypischer Grund
Onboarding-SchockWoche 1 bis 2Überforderung mit Werkzeug-Installation und Tempo
Mitte-LochWoche 6 bis 8Motivationsabfall, Abstand zum Anfangstrieb wird spürbar
Endspurt-DruckWoche 14 bis 15Abschlussprojekt wird konkret, Selbstzweifel

Diese Phasen sind so verlässlich, dass die Kurse darauf eingestellt sind. Dozenten kennen sie, Mit-Lernende kennen sie, und es gibt eingebaute Maßnahmen, um durchzukommen. Mehr im Artikel zum Lerntief in der Mitte und zum Durchhalten nach der dritten Woche.

Erste Anlaufstellen im Kurs

Wenn du nicht mitkommst, sind das die Anlaufstellen, in sinnvoller Reihenfolge:

  1. Forum/Slack/Lernplattform: Stelle deine Frage öffentlich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte jemand anders dasselbe Problem schon vor dir und es ist beantwortet
  2. Mitlernende: Kontaktiere zwei oder drei Mitlernende, frage nach einer kurzen Hilfssession (15 Minuten reichen oft)
  3. Dozent in der Live-Session: Stelle die Frage in der nächsten Live-Session. Dozenten sind explizit dafür da
  4. Tutoren-Sprechstunde: Viele Kurse bieten eine wöchentliche Sprechstunde mit einem Tutor, der individuell hilft
  5. Aufzeichnungen: Schau die Live-Session nochmal in deinem eigenen Tempo. Pausiere, wiederhole, mach Notizen
  6. Vorgespräch mit Beratung: Wenn nichts hilft, suche das Gespräch mit der Kursleitung

Was nicht hilft: Schweigen und auf Besserung hoffen. Lücken werden über die Wochen größer, nicht kleiner. Mehr im Artikel zu Online-Lerngruppen organisieren.

Was du selbst tun kannst, wenn du hängst

Vier Dinge helfen erfahrungsgemäß am meisten:

  • Pause einlegen: Wer 8 Stunden am Tag fest in Sessions sitzt, ist nach drei Wochen erschöpft. Eine echte Erholungspause am Wochenende (kein Lernen, kein Email, kein Social Media) wirkt Wunder
  • Lerntempo anpassen: Statt ein Modul “irgendwie” durchzuwerfen, lieber einen Teil gründlich machen und einen anderen Teil nachholen
  • Mit anderen reden: Wer alleine grübelt, baut Probleme größer auf, als sie sind. Ein 15-Minuten-Telefonat mit einem Mitlernenden klärt oft mehr als zwei Stunden Selbstgrübeln
  • Schlafen: Vier Stunden Schlaf und ein Energy Drink sind keine Lernstrategie. Sieben Stunden Schlaf sind die wichtigste Investition

Mehr im Artikel zur Lernroutine, die wirklich hält und zu Aufschieberitis im Online-Format.

Wenn die Rahmenbedingungen das Problem sind

Manchmal liegt das Problem nicht im Kopf, sondern in den Rahmenbedingungen. Wenn du nicht mitkommst, weil du parallel arbeiten musst oder weil deine familiäre Situation dich nicht durchlässt, sind interne Hilfen nicht die Lösung. Dann müssen die Rahmenbedingungen geändert werden, oder es ist ehrlicher, den Kurs zu einem späteren Zeitpunkt nochmal anzufangen.

In der Beratungspraxis sehe ich das relativ selten, aber es kommt vor. Die ehrliche Antwort lautet dann: Pause machen, neu starten. Das ist kein Versagen, sondern Kursrealismus. Mehr im Artikel zu den familiären und finanziellen Rahmenbedingungen.

Ausfall wegen Krankheit

Krankheit ist der häufigste objektive Grund für Hänger. Was im Kursalltag möglich ist:

  • Kurzfristige Krankheit (1 bis 5 Tage): Aufzeichnungen nachholen, Material nacharbeiten, mit Mitlernenden absprechen
  • Mittelfristige Krankheit (1 bis 3 Wochen): Mit Kursleitung absprechen, ggf. parallel weiter zuhören und nach Genesung intensiv nachholen
  • Längerfristige Krankheit (über 3 Wochen): Pausierung oder Wechsel in den nächsten Kurs prüfen, mit der Agentur für Arbeit absprechen

Die Agentur für Arbeit hat Regeln, wie lange ein Bildungsgutschein bei Krankheit pausiert werden kann. Eine offizielle Übersicht zur Krankheit während einer Weiterbildung gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit. Mehr im Artikel zu was passiert, wenn ich krank werde.

Abbruchquote realistisch einordnen

Die meisten ehrlichen Quellen nennen für Online-Weiterbildungen Abbruchquoten zwischen 10 und 30 Prozent, je nach Format und Zielgruppe. In Live-Online-Formaten mit kleinen Gruppen ist sie deutlich niedriger als in reinen Selbstlernkursen. Was fast immer zutrifft: Die meisten Abbrüche passieren in den ersten vier Wochen, nicht später. Wer den ersten Monat schafft, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit durch.

Mehr Hintergrund im Artikel zur Abbruchquote in Online-Weiterbildungen und im ehrlichen Ratgeber für Quereinsteiger.

Was beim Aufholen hilft

Teilnehmer, die nach einer Hänger-Phase wieder anschließen, machen meist dasselbe. Sie melden sich früh, spätestens nach drei Tagen ohne Anschluss bitten sie um Hilfe. Sie verschönern ihre Lage nicht, sondern beschreiben das Problem konkret. Und sie nehmen Hilfe an: Wenn der Dozent eine Übung vorschlägt, machen sie sie, auch wenn sie sich klein vorkommen.

Was nicht hilft: Stolz, Schweigen, sich rechtfertigen. Niemand wird im Kurs für eine ehrliche Frage verurteilt. Im Gegenteil: Wer fragt, lernt schneller als wer schweigt.

FAQ zum Nicht-Mitkommen

Verliere ich meinen Bildungsgutschein, wenn ich abbreche?

Es kommt darauf an. Wenn du aus persönlichen Gründen abbrichst, kann die Agentur für Arbeit den Gutschein neu vergeben oder anrechnen. Im Vorgespräch mit deiner Vermittlungsfachkraft klären.

Kann ich ein Modul wiederholen?

In manchen Fällen ja, je nach Träger und Kapazität. Sprich es früh an, nicht erst am Ende.

Bekomme ich ein Zertifikat, wenn ich nur teilweise teilgenommen habe?

In der Regel nicht. Das Abschlusszertifikat setzt regelmäßige Teilnahme und das Bestehen des Abschlussprojekts voraus. Bei Teilnahme von 80 Prozent oder mehr bekommst du das volle Zertifikat.

Was, wenn ich plötzlich keine Lust mehr habe?

Das ist normal in Phase zwei (Mitte-Loch). Reduziere kurz das Tempo, mach eine echte Pause am Wochenende, sprich mit Mitlernenden. In der Regel kommst du nach ein bis zwei Wochen wieder rein.

Gibt es jemand, der mir zuhört, wenn ich grad nicht weiß, wie es weitergeht?

Ja. Sprich mit der Kursleitung oder mit Beratung. Es gibt keine Strafen für Ehrlichkeit. Im Gegenteil: Frühes Melden ist immer leichter zu lösen als spätes Verschweigen.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Bildung und Digitalisierung. Mehr zum Autor auf der Autoren-Seite.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger. Kontakt und Terminbuchung über skill-sprinters.de/termin.

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